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Wahlfachstudium Feministische Wissenschaften/Gender Studies

 

Präambel

Alice Pechriggl/ Kirstin Mertlitsch

Das Wahlfachstudium „Feministische Wissenschaft / Gender Studies“ umfasst die kritische Erforschung der Geschlechterverhältnisse und ihrer Auswirkungen auf alle Lebens-, Liebes- und Arbeitskontexte. Das Studium ist inter- und transdisziplinär angelegt, sodass die Studierenden Gelegenheit bekommen, fächerübergreifend zu arbeiten.
Die Analysekategorie Geschlecht/Gender ermöglicht es, gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und vor allem wissenschaftliche Bereiche danach zu befragen, wie sie in die Herstellung und Perpetuierung von Geschlechterasymmetrien verwoben sind.
Bei der Analyse dieser Geschlechterasymmetrien geht es nicht nur um die kritische Auseinandersetzung mit dem ungleichen Zugang zur Macht/ausübung, es geht auch um eine Auseinandersetzung und Weiterentwicklung feministischer Theorien, insofern sie männerbündische, patriarchale aber auch hetero/sexistische Netzwerke erkennbar machen, und die normierende Einschreibung des heterosexuellen Begehrens in Körper und Seelen untersuchen. Der Ansatz geht also über ein rein erkenntnistheoretisches Interesse hinaus. In der Umstrittenheit zwischen feministischen Forderungen nach Geschlechterdemokratie und dekonstruktiven Gender Studies bzw. Queer Studies wird ebenso nach vergessenen Vergangenheiten geforscht; Vergangenheiten und Lebens-entwürfe von Frauen aber auch von solchen, die aufgrund ihrer von der instituierten Norm abweichenden Geschlechtsidentität oder Sexualität ausgegrenzt und diffamiert werden. Kritische Gesellschaftsanalyse wird so zum Anstoß für - aber auch zum Prisma von – Veränderung.

 

Modul 1
Einführung in die Frauen- und Geschlechterforschung

 
Kirstin Mertlitsch
 
Inhalt
Das Einführungsmodul gibt einen Überblick der Denkrichtungen der Feministischen Wissenschaft, Gender Studies und der Frauen- und Geschlechterforschung, sowie eine Einführung in die Methodologien der feministischen Forschung und kritischen Geschlechterforschung.
In einer Überblicksvorlesung werden mittels der Analysekategorien „Frau“ und „Geschlecht“ soziale, politische, ökonomische und kulturelle Themenbereiche vorgestellt (bspw. geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Gewalt gegen Frauen, Körper-Diskurse, Lebens-, Liebes- und Beziehungsformen, Geschlecht und Medien etc.). Ausgehend von der Frage „Wie bin ich so geworden wie ich bin?“ wird über Herkunft, Biographie und soziale Differenzierungen (Geschlecht, Schicht, Ethnie, Alter, Behinderungen etc.) in der Lehrveranstaltung „Bedeutung der Geschlechterverhältnisse“ reflektiert werden. Damit soll der Bezug zum Thema „Frauen- und Geschlechterforschung“ einerseits individuell und in weiterer Folge im gesamtgesellschaftlichen Kontext hergestellt werden.
Eine weitere Lehrveranstaltung dient zur Orientierung über Frauen- und Geschlechter-forschung, indem Perspektiven (Gleichheit, Differenz, DeKonstruktion) gezeigt werden, in zentrale Begriffe (Geschlecht, Geschlechterverhältnisse, Patriarchat, Androzentrismus, Sexismus, Feminismus, Sex/Gender etc.) eingeführt wird und Frage-stellungen der Frauen- und Geschlechterforschung, der Feministischen Wissenschaften, der Gender- und Queer Studies vorgestellt werden.
Feministische Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, feministische Wissenschafts- und Technikkritik, Kritik am wissenschaftlichen Objektivitätsbegriff sind Themenbereiche der Lehrveranstaltung zur Methodologie. Entsprechende Methoden (Erinnerungsmethode, Biographieforschung etc.) und Begriffe wie das „situierte Wissen“ und die „dynamische Objektivität“ sind hier zentral.
 
Studienziel 
Das Einführungsmodul ist interdisziplinär aufgebaut und vermittelt zentrale Begriffe, Epistemologien, Methoden und Theorien der Frauen- und Geschlechterforschung und bildet somit die theoretische, begriffliche und methodologische Grundlage für die weiteren Module des Wahlfaches.
 
Didaktik / Methodik 
Im Einführungsmodul wird auf die Vermittlung von Theorie und Praxis großer Wert gelegt.
Die Lehrveranstaltung „Selbstreflexion: Bedeutung des Geschlechterverhältnisses“ hat selbstreflexiven Charakter und enthält Methoden der Gruppendynamik, Intervision, Intravision usw. und wird geblockt abgehalten. In der Überblicks- und Methodologie- Lehrveranstaltung werden Basistexte gelesen und in Hinblick auf geschlechterrelevante Phänomene im Alltag überprüft.
 
Grundlagenliteratur  
Regina Becker-Schmidt/Gudrun-Axeli Knapp (2000). Feministische Theorien zur Einführung. Hamburg
Christina von Braun/ Inge Stephan (Hg.) (2000) Gender Studien. Eine Einführung.
Renate Kroll (Hg.) (2002). Metzler-Lexikon Gender Studies, Geschlechterforschung.
(beide Stuttgart)

 


Modul 2
Lebensräume

Ulrike Popp
 
Inhalt
Das Modul „Lebensräume“ umfasst eine wissenschaftliche Auseinandersetzung und Selbstreflexion mit Lebensphasen, Lebenswelten und -räumen unter Berücksichtigung des Geschlechterverhältnisses und geschlechtstypischer Ungleichheiten. Die Veranstaltungen zum thematischen Bereich „Lebensphasen“ nehmen Sozialisationsprozesse von Mädchen und Jungen/Männer und Frauen im Zuge der Persönlichkeitsentwicklung, Subjekt-werdung und Vergesellschaftung in den Blick. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Lebens- welten und geschlechtstypischen Disparitäten nimmt Institut-ionen (z.B. Kirche, Familie, Schule, Ausbildung), jedoch auch neue Lebensformen, etwa den Wandel von Sexualitäten und Geschlechts-identitäten, Wohn- und Familienformen sowie den Aspekt Medizin und Gesundheit in den Blick.
Im Modulteil „Lebensräume“ findet eine kritische Auseinandersetzung mit Polarisier-ungen und Komplementen statt, wie dem Eigenen und dem Fremden, Öffentlichkeit/ Privat, Reproduktionsarbeit/Erwerbsarbeit, Behinderung/Nichtbehinderung, Grenzen/Grenzüberschreitung/Ethnozentrismus. Auch sollen hier explizit „Frauen- und Männer-räume“ thematisiert und analysiert werden.
 
Studienziel
Erwerb von Theorie- und Forschungskenntnissen zu Lebensphasen, Lebenswelten und Lebensräumen; Wissen um die Entstehung und Aufrechterhaltung geschlechts-typischer Disparitäten in Öffentlichkeit und Alltag, Reflexion der eigenen Geschlechts-zugehörigkeit, Auseinandersetzung mit Chancengerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und neuen Benachteiligungen, mit Differenz, Gleichheit und Individualisierung.
 
Didaktik / Methodik
Da die inhaltlichen Beiträge der Studierenden vom großer Bedeutung sind, überwiegen in dem Modul „Lebensräume“ gruppenbezogene und projektorientierte Formen des Lehrens und Arbeitens. Auch die Lehrforschung als Methode, Studierende aktiv in Forschungsprojekte einzubinden die mit Frauen- Männer- oder Geschlechtfragen befasst sind, soll in dem Modul zur Anwendung kommen. Dies setzt jedoch von den Studierenden über eine regelmäßige, verlässliche Teilnahme auch die Bereitschaft voraus, sich aktiv in die Veranstaltungen einzubringen, Moderationstätigkeiten, Diskussionsleitung, Protokoll-führung und andere Arbeiten für und in Gruppen zu übernehmen. Ansonsten obliegt die Verantwortung für die Methodenkonzeption der entsprechenden Dozentin.
 
Grundlagenliteratur 
Glaser, Edith/Klika, Dorle/Prengel, Annedore (Hg.): Handbuch Gender und Erziehungswissenschaft. Bad Heilbrunn: Klinhardt (erscheint September 2004)

 

Modul 3
Wirtschaft und Arbeit

 
Marliese Fladnitzer
 
Wirtschaft und Arbeit sind zwei Bereiche, die alle Gesellschaften wesentlich prägen beziehungsweise durch die Gesellschaft wesentlich geprägt werden. Durch dieses Modul sollen die Studierenden auf die Rolle des Geschlechts in der vielfältigen Wirtschaftswissenschaft aufmerksam gemacht werden. Wirtschaftliche Themen und Fragen der Arbeit, die meist als sehr neutral, eindeutig und „trocken“ angesehen werden, sollen aus dem Blickwinkel der Geschlechterthematik analysiert werden. Wirtschaftswissenschaften einmal anders! 
 
Inhalt
Innerhalb dieses Moduls wird versucht, den Studierenden ein möglichst diverses Bild zu bieten, welche Rolle das Geschlecht in den einzelnen wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen spielt oder spielen kann. Die Interaktion von Menschen auf unter-schiedlichen Märkten, in Unternehmen und Haushalten und unter Berücksichtigung rechtlicher und kultureller Aspekte beinhaltet eine Reihe von Fragen, die unter anderem durch einen geschlechterkritischen Zugang beantwortet werden können. Beispiele hierfür sind der Einfluss des Geschlechts auf die Unternehmensorganisation unter anderem im Sinne einer betrieblichen Frauenförderung, Unterschiede im Führungsstil zwischen Frau und Mann, die Rolle des Geschlechts bei der Analyse des Arbeitsmarktes in Bezug zum Beispiel auf Halbe-Halbe Strategien und die Auswirkungen des Steuer-rechts und der Steuerpflicht aus geschlechtsspezifischer Sicht. Dabei findet eine Heran-gehensweise auf unterschiedlichen Tiefen statt. Die Abhandlung von Genderaspekten in den Wirtschaftstheorien und das Engendering der Wirtschafts- und Sozialpolitik sind Bereiche die in speziellen Lehrveranstaltungen detailliert behandelt werden, wie beispielsweise der Einfluss und die Auswirkung der Geschlechterkonzeption auf den betriebs- und volkswirtschaftlichen Diskurs. 
 
Studienziel
Die Studierenden sollen einen Eindruck bekommen, auf welch vielfältige Weise sich Geschlechterfragen auf unsere Wirtschaft- und Arbeitswelt auswirken. Dabei sollen die Inputs der Lehrveranstaltungen Stoff für Diskussionen innerhalb und außerhalb der Lehrveranstaltungen liefern. Neben der Darstellung und Analyse der diesbezüglichen Theorie, sollen die Studierenden erfahren, wie mit unterschiedlichen Sachverhalten tat-sächlich umgegangen wird und wie weit hier idealtypische, scheinbar geschlechter-neutrale Prozesse und reale voneinander entfernt sind. 
 
Didaktik / Methodik
In den einzelnen Lehrveranstaltungen wird größter Wert auf die aktive Beteiligung der Studierenden gelegt. Durch Diskussionen, Gruppenarbeiten, Präsentation und gemeinsame Erarbeitung von Texten sollen die Plenumsvorträge ergänzt werden und somit eine adäquate Annäherung an die Themen gewährleistet sein. Teilweise wird auch eine differenzierte Auseinandersetzung der Studierenden mit einzelnen Themen erwartet, die ihren Niederschlag in Seminararbeiten finden sollen. Profunde Inhalte und fachliche Betreuung liefern qualifizierte WissenschafterInnen und PraktikerInnen der regionalen Wirtschaft. 

 

Modul 4
Historizität – Erinnerung – Erfahrung

 
Tina Bahovec

Studienziel
Die Leitlinien des Moduls, die sich an relevanten Theoriebegriffen und Themenbe-reichen zeitgenössischer Forschung orientieren, sind zur inhaltlichen Ausrichtung der Lehrveranstaltungen bestimmt, und zwar unter dem Aspekt ihrer kulturellen und historischen Bedingtheit im Kontext der Analysekategorie Geschlecht. Letztere soll im Zusammenhang mit anderen gesellschaftlich determinierenden Kategorien kontextualisiert und bearbeitet werden (z.B. für die Moderne: „race, sex, gender, class“). Des Weiteren ist die Thematisierung der theoretischen und praktischen Verschränkt-heit der in den Leitlinien formulierten Lehrinhalte ein wesentliches Lehrziel des Moduls.
 
Inhalt
Öffentlichkeit / Privatheit: Im Fokus stehen die historische Bedingtheit und Entwicklung von Geschlechtermodellen, -rollen und -stereotypen sowie die geschlechtsspezifische Ausdifferenzierung von Lebensräumen und Handlungsspielräumen. Repräsentationen, Narrationen, Performanz: In Anbindung an die Frage nach Erinnerungskulturen als einer der zentralen Diskurse der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften umfassen diese Leitlinienbegriffe die Darstellungen, Erzählweisen und Inszenierungen von Geschlecht im öffentlich-kulturellen Raum. Anpassung / Widerstand: Diese Leitlinienbegriffe sind einem breiten Begriffsverständnis verhaftet und verweisen allgemein auf die geschlechtsspezifisch variierenden Formen menschlichen Verhaltens im Kontext politischer, sozialer und kultureller Systeme und Normen.
Ideologien / Ideologiekritik: Ausgangspunkt dieser Leitlinie – wie auch des Moduls insgesamt – ist zum einen die Entwicklung geschlechtersensibler ideologiekritischer Posit-ionen und Ansätze, zum anderen die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Aus-formungen verschiedener Ideologien in ihrer theoretischen Begründung und praktischen Wirkmächtigkeit. Geschlecht und Nation: Ausbildung und Differenzierung von Geschlechterkonstruktionen, -rollen und -stereotypen in Zusammenhang mit Nationalisierungsprozessen; geschlechtsspezifische kulturelle und kommunikative Repräsentationsformen von Nation; Partizipation von Frauen und Männern am nationalen Projekt und im Prozess des „nation-building“ sind zentrale Bestandteile der Leitlinie.
Frauenrechte / Menschenrechte: Diese Leitlinie verweist auf einen weiten Themen-komplex. Er umfasst schwerpunktmäßig Rechtsstatus und -verankerung von Frauen, Kampf um Frauenrechte, Analysen von kodifizierten und nicht-kodifizierten Rechtssystemen in ihrer Auswirkung auf Geschlechterordnungen, Menschenrechtsverletzungen an Frauen im Wandel der Zeiten und im Kontext der Gegenwart.
Frauenpolitiken / feministische Positionen: Zu den Themenbereichen, die im Rahmen dieser Leitlinie behandelt werden, gehören verschiedene Frauenbewegungen in ihrer historischen Genese mit ihren differenten Ausprägungen und Zielen, das Verhältnis von Geschlecht und Politik sowie eine breite Auseinandersetzung mit unterschiedlichen feministischen Positionen und Ansätzen (autonom / institutionell / radikal / liberal / sozialistisch / ökofeministisch usw.).
Herstories / Histories: Der persönlich-reflexive Zugang sowie Strukturen und Bedeutungen von geschlechtsspezifischem Erzählen, Erinnern, Erfahren und Überliefern stehen im Mittelpunkt.
 
Didaktik / Methodik
Alle Lehrveranstaltungsformen (Vorlesung, Kurs, Proseminar, Seminar usw.) sind möglich. Sie werden von den LehrveranstaltungsleiterInnen unter Berücksichtigung der Zielsetzungen und Inhalte der jeweiligen Lehrveranstaltung ausgewählt.

 

Modul 5
Kommunikation – Repräsentation
 
Brigitte Hipfl

Inhalt  
Dieses Modul setzt sich aus den feministischen und gender-theoretischen Zugängen der folgenden akademischen Fächer zusammen: Sprach- und Literaturwissenschaft, Film- und Medienwissenschaft, Sprachphilosophie sowie Kunst. Gemeinsam ist all diesen Bereichen, dass sie sich anhand der für ihren Bereich spezifischen “Texte” damit auseinandersetzen, wie in und mit diesen Texten Vorstellungen, Bilder und Fantasien von Geschlecht konstruiert und damit Formen des “Doing Gender” praktiziert werden. Zusätzlich werden auch die Aspekte der Produktion und Rezeption der jeweiligen Texte unter diesen Gesichtspunkten analysiert. Als Text gilt in den verschiedenen Disziplinen Unterschiedliches: einmal sind es verschriftlichte Texte wie Literatur oder Beispiele der Alltagskommunikation, einmal mediale Produkte wie Filme oder Fernsehsendungen und einmal künstlerische Produktionen. An all diesen Beispielen können Entstehung, Aneignung und Verbreitung geschlechter-relevanter Diskurse, wie auch Aspekte der Konstruktion und Subversion von Genderidentitäten vorgeführt werden.
 
Studienziel
Ziel dieses Moduls ist, die Studierenden mit Begriffen, Theorien und methodischen Zu-gängen aus den vier Fachbereichen vertraut zu machen, die ihnen eine systematischere und grundlegendere Auseinandersetzung mit den Geschlechterkonstruktionen, die in den verschiedenen Texten erfolgen, ermöglichen.
 
Didaktik / Methodik  
In einer Ringvorlesung, die von VertreterInnen der verschiedenen Bereiche gestaltet wird, wird eine Einführung in die vier Themenfelder gegeben. Die Ringvorlesung ist als Vorlesungsverbund organisiert und besteht in jedem der vier thematischen Blocks aus jeweils zwei Teilen. Im ersten Teil werden die zentralen Fragestellungen wie auch die verschiedenen theoretischen Konzepte und analytischen Werkzeuge, die in den einzelnen Disziplinen verwendet werden, vorgestellt. Im zweiten Teil, der stärker Übungs-charakter hat, werden ausgewählte Beispiele erforscht und analysiert. Spezifische thematische Schwerpunkte aus den vier Teilbereichen werden in zwei zusätzlichen Veranstaltungen, und zwar einem Seminar bzw. Spezialvorlesung/Seminar/Übung oder Proseminar vertiefend behandelt. (Für Studierende des Wahlfachs Feministische Wissenschaft/Gender Studies ist die Absolvierung aller vier Blöcke verpflichtend.)
 
Grundlagenliteratur
Judith Butler (1994). Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt
Dorer, Johanna/ Geiger, Brigitte (Hg.)(2002). Feministische Kommunikations- und Medienwissenschaft. Ansätze, Befunde und Perspektiven der aktuellen Entwicklung. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag
Friedrich Annegret et al. (Hg.)(1997). Projektionen. Rassismus und Sexismus in der Visuellen Kultur. Marburg
Klaus, Elisabeth (1998). Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag
Mills, Sara. (1995). Feminist Stylistics. London: Routledge
Samel, Ingrid (2001). Einführung in die feministische Linguistik. Berlin: Schmidt
Söntgen Beate (Hg.)(1996). Rahmenwechsel. Kunstgeschichte als feministische Kulturwissenschaft. Berlin
Zeitschrift “Feminist Media Studies”

 

Modul 6
Körper – Psyche – Leiblichkeit

 
Alice Pechriggl

Inhalt
Das Modul deckt die Auseinandersetzung mit Körper und Psyche in unterschiedlichen wissenschaftlichen aber auch praktisch-klinischen Feldern ab (Psychotherapie bzw. Psychoanalyse, Gesundheitsberufe etc.). Diese Vielfalt der Felder lässt sich weder hierarchisieren noch systematisieren, weshalb die für das Modul wichtigsten in beliebiger Reihenfolge aufgezählt werden: Lebensbedingungen und Bewältigungsstrategien von Frauen, Geschlechterrollen-, -stereotypisiert und Funktionen, Körper- und Geschlechterimaginäres, Psychoanalyse – Psychosomatik – Therapie, Bio/Technologiekritik, Gewalt, Recht, Politik und Integrität. Diese Bereiche schließen einander nicht aus, es gibt wichtige Schnittstellen, an denen sie dialektisch miteinander oder mit Feldern aus anderen Modulen verbunden sind bzw. an denen nicht genannte Bereiche herausgearbeitet werden können. Wichtig ist, dass all diese Bereiche von einem erkenntnistheoretischen, einem wissenschafts-theoretischen sowie von einem ethischen Gesichtspunkt her zu betrachten sind. Die drei letztgenannten Perspektiven sind also gleichsam transversal zu den oben genannten thematischen Feldern angelegt.
 
Studienziel
Ziel des Moduls ist die Vermittlung und Weiterführung der durch die feministische Kritik eröffneten Hinterfragung von Beherrschungs- und Normierungsdiskursen bzw. -praktiken. Die wissenschaftstheoretische Kritik an den Parametern westlicher Natur-wissenschaften hat den Blick auf ganzheitliche Körper- und Seelekonzeptionen eröffnet, wie sie zum Beispiel auch in der "Psychosomatik" von Bedeutung sind. Die zu erarbeitenden kritischen Ansätze fassen die Körper in ihrer komplexen Verbindung mit der Psyche; als sexuierte Körper und schließlich als sexualisierte Körper innerhalb eines asymmetrisch-komplementären Geschlechtervertrags. Seit der griechischen Antike ist klar, dass die "normierten" Männerkörper zugleich Modell und Glied kollektiver Körper darstellen, welche sich vom amorph gefassten Frauenleib abgrenzen. Das gilt insbesondere für die Institutionen expliziter Macht- und Herrschaftsausübung sowie für den Ausschluss der Frauen, und anderer von
der Norm der Modellkörper abweichender, aus diesen Korps. Zentral ist dabei aber die Vermittlung der Veränderbarkeit der Körper- und Leib-Seele-Diskurse. Historischen sowie vergleichenden kulturanthropologischen Analysen folgend variieren sie zwar stark, weisen aber auch gewisse strukturelle Kontinuitäten auf.
 
Didaktik / Methodik
Die Methoden der Erarbeitung divergieren nicht nur gemäß den Disziplinen sondern auch gemäß den jeweils eingenommenen Perspektiven der LV-LeiterInnen. Das Modul setzt sich aus unterschiedlich gewichteten Lehrveranstaltungen zusammen: solche, die in die Thematik einführen, inhaltlich vertiefendende und solche, die stärker auf methodische und didaktische Aspekte eingehen. Angestrebt ist eine Ausgewogenheit zwischen mehr theoretisch orientierten, mehr praktisch orientierten bzw. stärker empirisch angelegten Lehrveranstaltungen.
 
Grundlagenliteratur
Barbara Duden, Der Frauenleib als öffentlicher Ort, Hamburg 1991
Julika Funk u. a. (Hg.), Körper-Konzepte, Tübingen 1999
Sigrid Graumann und Ingrid Schneider (Hg.), Verkörperte Technik – Entkörperte Frau, Frankfurt 2003
Juliet Mitchell, Psychoanalyse und Feminismus, Frankfurt 1976
Sprache Körper und Politik. Neue Ergebnisse der feministischen Theorie und Geschlechterforschung, IWK-Mitteilungen 4-3/2002

 

Modul 7
Gender und Technik

Bettina Duval und Caroline Roth

Inhalt
In der Einführungsphase soll den Studierenden ein Überblick über die unterschiedlichen Technikzugänge in unserer Gesellschaft gegeben werden. Aus dem Blickwinkel der Genderthematik wird die Frage erörtert, welchen Stellenwert die Technik in der Gesellschaft einnimmt und welchen Einfluss sie in allen  Lebenslagen nimmt. Ziel in der Vertiefungsphase ist es, einzelne Fragestellungen und Themen erneut aufzugreifen und konkreter und differenzierter zu bearbeiten.

Einführung
Selbstreflexion: persönlicher Zugang zur Technik, Erfolgs- und Kontrollüberzeugung in Bezug auf die Technik, Berufswahlfaktoren, früher – heute, Biografiearbeit, explizite und implizite Wertezuschreibung, Thematisierung von Machtverhältnissen Begriffsklärung und Wissenschaftstheorien aus den Bereichen „Gender/Feminismus und Technik“ Einführung in die Wissenschaftsgeschichte der Technik, Wissensproduktion und Technikgeschichte (auch: Frauen- und Technikerinnen-Biografien) Doing Gender in der Technik: Aufzeigen der Vergeschlechtlichung von Produkten und Prozessen.

Vertiefung
Technik und Gesellschaft: geschlechtergerechte Technikgestaltung, Ökonomisierung der Technik, Technikfolgenabschätzung, Cyberdemokratie
IT und Gender: Genderspezifische Auswirkungen und Anwendungen von IT, doing gender im Internet, Spiele/Muds, Lobbying und Netzwerkbildung in Berufsgruppen und im Internet, gendersensible Anwendung von neuen Medien in der Lehre Feministische Theorien: Feministische Naturwissenschafts- und Technikforschung und –theorie, feministische Gesellschaftskritik Soziale Kompetenzen und Soft Skills: Teamfähigkeit, Führungskompetenz, Kooperationsfähigkeit, Prozessmanagement, Verständigung zwischen unterschiedlichen Fachsprachen unter dem Genderaspekt.

Studienziel
Erwerb von Kenntnissen in Theorie und Forschungsmethoden, Reflexion des eigenen Technikzugangs im Alltag, Überblick über die geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklung von Frauen in Technik und Naturwissenschaften, Hinterfragen von bestehenden  Machtverhältnissen.

Didaktik/Methodik
Nach einer Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten sowie in die Methoden der Feminist-Techno-Science-Forschung soll das interdisziplinäre Arbeiten im Mittelpunkt stehen. Unter Anwendung gendersensibler Didaktik soll das Studien-, Lehr- und Lernklima reflektiert und verändert werden. Ziel ist unter anderem der Respekt und die Wertschätzung gegenüber den Werten anderer Disziplinen.


 

 

 


Übersicht

 

Modul 1 - Einführung

Einführung in die Grundlagen

Überblicksvorlesung + Textlektüre
Selbstreflexion: Bedeutung des Geschlechterverhältnisses. Eine Grundlegung
Fem. Denkrichtungen, Fem. Theorie und Geschlechtertheorien, Textlektüre, Theoriebildung
Methodologie (fem. Hermeneutiken) der feministischen Forschung und kritischen Geschlechterforschung

 

Modul 2 - Lebensräume

Einführungsphase

Verpflichtende Vorlesung mit Proseminar zu: a) Lebensphasen, b) Lebenswelten, c) Lebensräumen, unter geschlechtsbewusster
und gender-kritischer Perspektive (a: Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation; b: Alltagskulturen und Lebensstile; c: Regionen, Grenzen, Planungs- und Entscheidungsprozesse)  
Kurs zur Vertiefung der unter a-c genannten Inhalte und zur theoretischen Fundierung (Sozialtheorien, psychologische, sozialökologische und soziologische Ansätze)
Vertiefungsphase

Lehrveranstaltung (Vorträge durch LV- Leiterin, Impulsreferate, Präsentationen, Pro-Kontra-Diskussionen, Arbeit in Gruppen) zu einem Teilgebiet (vgl. a,b,c)
Projektorientiertes Forschungsseminar (mit Projektgruppen) zu einem weiteren Teilgebiet (a,b,c) mit Anteilen von Exkursionen, Feldforschung, Evaluation
 

Modul 3 – Wirtschaft und Arbeit

Einführungsphase

Ringvorlesung zu Gende-Aspekten in wissenschafts-wissenschaftlichen Fächern (rechtliche und soziologischGrundlagen, Gender Economics, Personalmanagement, Unternehmensführung, Finanz- und Steuerlehre, Marketing, Unternehmensgündung,...)
LV zur Vertiefung der in der Ringvorlesung behandelten Themen
Vertiefungsphase

Seminar zu einem Teilgebiet
Spezialvorlesung oder Seminar (oder Arbeitsgemeinschaft) zu einem Teilgebiet
 

 

Modul 4 - Historizität-Erinnerung-Erfahrung

Einführende Lehrveranstaltungen

Methoden und Arbeitsweisen der Geschichtswissenschaften; Wissenschaftsgeschichte; überblicksartige Darstellungen von Frauenleben- und wirken
Vertiefungsphase

Vertiefendes Seminar
Weitere LV
 

Modul 5 – Kommunikation-Repräsentation

Einführungsphase

Einführung in die Entwicklung des Faches/Diskurses als Ringvorlesung aus den 4 Bereichen: a) Film- und Medienwissenschaft; b) Sprach- und Literaturwissenschaft; c) Sprachphilosophie; d) Kunst + Kurs
Vertiefungsphase

Seminar zu einem Teilgebiet (a,b,c,d)
Speziallehrveranstaltung zu einem Teilgebiet (a,b,b,d)
 

Modul 6 - Körper-Psyche-Leiblichkeit

4 LV zu den Themen

Lebensübergänge, Lebensbedingungen und Bewältigungsstrategien von Frauen
Geschlechterrollen, -stereotypen und Funktionen
Körper- und Geschlechterimaginäres
Psychoanalyse - Psychosomatik – Therapie
Bio-/Technologiekritik
Frauengesundheit, Gewalt, Recht, Politik und Integrität
 

Modul 7 - Gender und Technik
Einführung

Selbstreflexion: persönlicher Zugang zur Technik
Einführung in die Wissenschaftsgeschichte der Technik
Doing Gender in der Technik
Vertiefung


Technik und Gesellschaft
IT und Gender
Feministische Naturwissenschafts- und Technik-Forschung
Soziale Kompetenzen und Soft Skills
 

 

 
 
 
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