Das Institut für Germanistik an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt (kurz: klu.g) wurde 1973 gegründet. Es betreut mit derzeit 12 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowie einer Reihe externer LektorInnen und den Mitarbeiterinnen des Sekretatiats rund 300 Studierende im Bakkalaureats-, Magister-, Lehramt- und Doktoratsstudium.
Das ergibt für die Studierende insgesamt vorteilhafte Betreuungsverhältnisse (1: 25) und bietet die Möglichkeit, das Studium innerhalb der vorgesehenen Studiendauer zu absolvieren und dabei auch individuelle Schwerpunkte setzen zu können. Durch die exzellente internationale Vernetzung der klu.g haben Studierende die Möglichkeit an einem von 16 Partnerinstituten an europäischen Universitäten Auslandserfahrung zu sammeln bzw. ihr Studium vielfältig zu vertiefen.
Als derzeit einziges germanistisches Institut in Österreich bietet die klu.g
ein Doppeldiplomstudium (gemeinsam mit der Univ. Udine) an, bei dem jeweils ein Studienjahr in Klagenfurt und eines in Udine zu absolvieren ist.
das Schwerpunktfach Angewandte Germanistik (Literatur, Medien, Verlagswesen) im Bakkalaureatsstudium
Den Gegenstandsbereich der Germanistik fassen wir weit: als Sprach- und Literaturwissenschaft setzt sich Germanistik mit Sprache und vorwiegend
literarischen Texten in historischer (Sprach- und Literaturgeschichte) und struktureller (Textlinguistik, Varietäten, DaF-DaZ, Literaturkritik, Medialisierung) Perspektive auseinander.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei
Entsprechend vielfältig ist daher das Qualifikationsspektrum, das wir zu vermitteln versuchen:
Aufgrund der stets begrenzten personellen Ressourcen hat sich das Institut von Beginn an schwerpunktmäßig auf einzelne Bereiche konzentriert und dazu maßgebliche Forschungsbeiträge vorgelegt und die Einrichtung von spezifischen organisatorisch selbständigen, forschungs- und lehrmäßig jedoch mit dem Institut vernetzten Einheiten ermöglicht, wie dem Robert Musil-Forschungsinstitut (seit 1997) oder dem Kompetenzzentrum für Deutschdidaktik (seit 2006).
Zwischen 1999 und 2003 war am Institut auch ein Lehr- und Forschungsbereich zur Jüdischen Literatur in Österreich/Mitteleuropa angesiedelt, von dem zahlreiche Initiativen und Forschungsprojekte ausgegangen sind. Mitarbeiter/innen des Instituts sind darüber hinaus an zahlreichen fakultätsübergreifenden Initiativen bzw. Studiengängen aktiv beteiligt, im besonderen in den Bereichen Mehrsprachigkeit (Ringvorlesung, Modulangebote), Medien- und Kommunikationswissenschaft, SchreibCenter und Friedensforschung.
Seit 2004 ist das Institut (voraussichtlich bis zum SS 2008) Sitz der Österreichischen Gesellschaft für Germanistik (OEGG).
Folgende Fach- und Gegenstandsbereiche sind derzeit am Institut vertreten:
Das Institut hat im Zuge der Umstellung auf die neuen Studienformen (Bakkalaureats- und Masterstudium) Curricula entwickelt, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft wie den gewandelten Anforderungsprofilen in möglichen Arbeitsfeldern (vor allem außerhalb des Schulbereichs) Rechnung tragen. Auf dieser Ebene soll die Qualität in Lehre und Forschung in den Kernbereichen gehalten und in den neuen Bereichen, insbesondere jenen der Angewandten Germanistik, weiter entwickelt werden.
Besonderes Augenmerk gilt seit jeher den Internationalen Kooperationen, die in Zukunft systematischer in Lehr- und Forschungsbereich integriert werden sollen (z.B. über gemeinsam konzipierte Lehrveranstaltungen mit Partneruniversitäten, über Forschungskooperationen etc.). Über diese Schiene können Absolvent/innen schon jetzt interessante Praktika, Lektorate oder Promotionsstipendien an ausländischen Universitäten in Anspruch nehmen.
Germanistische Mediävistik ist die moderne Bezeichnung für ein Teilfach der Germanistik, das (historische) Sprach- und Literaturwissenschaft in engem Verbund betreibt, zeitlich die Epoche des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (800 bis 1620) und räumlich den alten nieder- und hochdeutschen Sprachraum umfasst.
Sie liefert dem Gesamtfach Germanistik die notwendige historische Verankerung, ohne die eine Deutung der Moderne – unter dem Aspekt von Tradition und Innovation – nicht angemessen gelingen kann. Im Mittelalter werden nicht nur die ersten Konturen unserer Sprache und Kultur fassbar, auch die deutsche Literatur selbst sucht immer wieder ihre Wurzeln in der Vergangenheit gerade dieser Epoche. Andererseits betont die Mediävistik auch die Alterität der Erfahrungen und Weltdeutungsmuster, die zur Bestimmung gegenwärtiger Verstehenshorizonte einen gewichtigen, kontrastiven Beitrag liefert. Sie verweist uns auf die Brüche, Diskontinuitäten und Paradigmenwechsel, die unser Selbstbild und unsere Vorstellungen von Gesellschaftlichkeit als relativ und von zeitlich begrenzter Gültigkeit ausweisen. Das Mittelalter als Epoche weist Umbrüche medialer Art auf, an denen wir die Umwälzungen der Gegenwart wie in einem Spiegel studieren können. Die Unsicherheiten im Umgang mit den Medien, die Bedrohlichkeit derselben für den an Kontinuität und die heilsgewisse Geborgenheit gewohnten Menschen und der Verlust von Gewissheiten sind beim Übergang von der Oralität zur Verschriftlichung der Literatur ebenso zu studieren wie nach der Erfindung des Buchdrucks. Die Erforschung der schriftlichen Kultur des Mittelalters hilft uns nicht nur unsere Gegenwart bewusster zu erfassen, sondern auch vernachlässigte Zugänge zum Bereich des Wissens und Glaubens wieder zu entdecken, die Vernunft- und Fortschrittsgedanke, Rationalität und Aufklärung einst für entbehrlich erachtet haben.
Der Bereich NDL umfasst die literarische Textproduktion seit dem 16. Jahrhundert. Unter <Deutscher Literatur> werden dabei Texte in deutscher Sprache verstanden, die sich kultur- und sprachgeschichtlich durchaus verschiedenen Räumen und kulturellen wie (trans)nationalen Traditionen zuordnen lassen. Sowohl im Lehr- als auch im Forschungsbereich steht dabei das Textspektrum des 19. und 20. Jahrhunderts bis zur neuesten Gegenwart im Vordergrund. Der Textbegriff bezieht auch Formen und Genres ein, die in unmittelbarer Nähe zu medialen Textformen situiert sind wie z.B. das Feuilleton, die Zeitungsprosa, Reiseberichte oder literarische Gebrauchstexte.
Besonderes Augenmerk wird neben der Vermittlung eines ständig zur Diskussion gestellten Text- und AutorInnen-Kanons seit der Aufklärung Aspekten des Selbstverständnisses und der Außenwahrnehmung österreichischer literarischer Kultur seit dem 19. Jahrhundert in ihrer plurikulturellen und mehrsprachigen Einbettung in Ost-Mitteleuropa sowie in ihrem problematischen Verhältnis zur ‚Deutschen Kultur’ in Forschung und Lehre gewidmet, sichtbar etwa an Themen wie Reisen in die habsburgische Peripherie, Ghetto-Literatur, Exil und Immigration, Literarische Mehrsprachigkeit, Avantgarde-Bewegungen.
Dieser mehrfache kontrastive Blick spiegelt sich auch in diversen Forschungsinitiativen und –ergebnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wobei es stets ein Anliegen war und ist, literarhistorische Zu- und Festschreibungen, Marginalisierungen und Vereinnahmungen aufzubrechen und zur Diskussion zu stellen. Unter anderem war und wird diese Diskussion von internationalen Tagungen begleitet, welche zu anerkannten Publikationen oder zu aufwändigen, auch innovativen (editorischen) Projekten geführt haben wie z.B. in der Musil-Forschung (Nachlassbearbeitung), in der Edition von Autoren des Vor- und Nachmärz, des österreichischen Expressionismus, der zwanziger Jahre oder der Exilliteratur. In internationalen Peer-Review Evaluationen wurde dem Institut, seinem Profil und seiner Arbeit wiederholt Anerkennung ausgesprochen.
Auch der Gegenwartsliteratur wurde stets und wird nach wie vor große Aufmerksamkeit entgegengebracht, wobei seit Mitte der 80er Jahre SchriftstellerInnen in Form von Poetik-Vorlesungen und workshops regelmäßig eingeladen werden, ebenso ExpertInnen aus dem Bereich der Literaturkritik, des Verlagswesens und des Kulturmanangements, was u.a. im Studienschwerpunkt Angewandte Germanistik eine institutionelle Verankerung gefunden hat.
Die Germanistische Linguistik (oder Sprachwissenschaft) beschäftigt sich mit der deutschen Sprache in allen ihren Aspekten. Sprachwissenschaftliche Grundkenntnisse sind eine Grundlage für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Literatur und für das Verständnis der gesellschaftlichen Wirkung von Sprache überhaupt.
Die Herkunft der deutschen Sprache und der Wandel, dem sie unterzogen ist, werden in den Lehrveranstaltungen ebenso behandelt wie die Grammatik der Gegenwartssprache.
Ein weiterer sprachwissenschaftlicher Schwerpunkt am Institut für Germanistik sind die vielfältigen Zusammenhänge von Sprache und Gesellschaft. In einführenden Kursen werden grundlegende Methoden und Fragestellungen der Soziolinguistik vermittelt sowie Techniken der Textlinguistik und Diskursanalyse.
Fragen, die dabei erörtert werden, sind etwa die Rolle von Sprache in den Medien, die Sprache sozialer Gruppen (Jugendsprache) und Sprachpolitik (Sprachbarrieren, Mehrsprachigkeit, Sprache und Bildung).
Die Germanistische Linguistik vermittelt somit wichtige Grundlagen für das Verständnis von sprachlichen Zusammenhängen, aber auch anwendungsorientierte Grundlagen für viele germanistische Praxisfelder.
Unter Angewandter Germanistik verstehen wir die Erforschung von Produktions-, Verarbeitungs- und Vermittlungsbedingungen literarischer Texte und anderer Formen schriftlicher Kommunikation. Dazu gehören Untersuchungen der Handlungsprozesse am Buchmarkt und im Verlagswesen, der Rollen der dabei tätigen AkteurInnen, der Wirkungsweisen von Literaturkritik und Literaturpreisen, der Wechselwirkung von Literatur und Film/Rundfunk/Internet, des Zusammenhangs von Literatur, Medien und Politik, sowie Studien zu Autor/innen-Karrieren und vieles mehr. Die Angewandte Germanistik ist daher ein transdisziplinär ausgerichteter Schwerpunkt, der mögliche und bereits existierende Anwendungsgebiete germanistischer Forschung integriert.
Zu den Besonderheiten des Klagenfurter Schwerpunkts zählen ferner Exkursionen zu Literatur-Workshops und Literatur-Preis-Veranstaltungen (Rauris, Bachmann-Preis z.B.) sowie deren wissenschaftliche Begleitung und Bearbeitung.
Donnerstag, 26. bis Freitag, 27. November 2009