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UNIV.-PROF. DR. WENDELIN SCHMIDT-DENGLER

 

Wir trauern alle um Wendelin Schmidt-Dengler: die österreichische Germanistik und besonders auch die Klagenfurter, an deren Aufbau er wesentlich beteiligt war und der er immer freundschaftlich verbunden geblieben ist.

 

Seine Verdienste um die österreichische Literatur und die Literaturwissenschaft sind unumstritten, die Brillanz und Klarheit seiner Argumentation, seine  funkelnde Lebendigkeit im Reden und Denken, sein umfassendes Gedächtnis und sein ansteckender Enthusiasmus sind legendär. Was aber schwerer wiegt als diese intellektuellen Vorzüge, sind das Beispiel und die Taten, die er für das Fach und das Literarische Leben des Landes gesetzt hat. Er hat Generationen von Studierenden, Lehrerinnen und Lehrern und jungen Wissenschaftlerinnen Mut und Ansporn gegeben, an die Literatur und ihr Fach zu glauben und es in Zeiten und unter universitären Verhältnissen zu vertreten, die auch Anlass für Resignation und Zynismus wären. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, die österreichische Germanistik wieder zu einer von der Öffentlichkeit, vor allem aber auch von den Schriftstellerinnen und Schriftstellern geachteten wissenschaftlichen Disziplin zu machen. In seiner Rolle als einer der profiliertesten Literaturkritiker des deutschen Sprachraums hat er über Jahrzehnte hinweg Autorinnen und Autoren durch konstruktive Kritik und Zuspruch geholfen, ihren künstlerischen Weg zu finden. Und er hat vielen jungen Germanistinnen und Germanisten zu allererst Brot gegeben durch Projekte und Gründungen, die er mit Entschiedenheit und ohne Eigennutz betrieben hat. So auch als Leiter des Österreichischen Literaturarchivs in der Nationalbibliothek, dessen Gründung  (nach bald hundertjähriger Diskussion) ihm zu verdanken ist.

 

Er war der erste Präsident der 1992 ins Leben gerufenen Österreichischen Gesellschaft für Germanistik; er  hat mit einer hohen Stiftung an Preisgeldern den Wissenschaftspreis dieser Gesellschaft begründet und über Jahre hinweg erhalten. Mit dem Franz Werfel-Stipendium, dessen tragende Säule er war durch die Auswahl, Förderung und Betreuung junger ausländischer Wissenschaftler, hat er der österreichischen Literatur und Kultur Ansehen in aller Welt verschafft.

 

Satire, Witz und Ironie waren ihm nicht fremd, wenn es darum ging, die Dinge an ihren rechten Platz zu rücken. Sie waren aber hinterlegt durch ein hohes Ausmaß von Verständnis und Geduld für alle, die bei ihm Rat und Zuspruch suchten.

 

Sein Tod ist ein großer Verlust für die Literatur, die Literaturkritik und die Literaturwissenschaft. Es ist ein Schmerz, ihn nicht mehr unter uns zu wissen. Es ist ein Glück, ihn als Lehrer, Kollegen, Wissenschaftler, und Förderer gehabt zu haben. In allen diesen Rollen hat er im Übermaß gegeben. Wir werden ihn sehr vermissen und wir werden ihn nicht vergessen.

 

Die Klagenfurter Germanistinnen und Germanisten

 
 
 
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