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Institutskolloquium "Felder der angewandten Kulturwissenschaft" WS 2016/17 - Programm


 
Mittwoch, 9.11.2016, 18.00 Uhr, K.0.01 (Stiftungssaal)

 

Gabriele Dietze (Berlin): Nach den Kölner Silvesterereignissen. Sexualpolitik und Migrationsabwehr


Kooperation des Universitätszentrums für Frauen- und Geschlechterstudien mit dem Büro für Frauen.Chancengleichheit.Generationen, der Stadt Klagenfurt, dem Institut für Kulturanalyse, dem AAU MK – Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft und der AAU


Der Vortrag beschäftigt sich mit einer neu aufgeflammten Diskussion über Sexismus im Zuge der moralischen Panik, die um sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16 in Köln entstanden ist. Dabei wird es um eine Auffassung von Migration als „sexuellem Problem“ und die Verschränkung dieser Vorstellung mit Fremdenfeindlichkeit gehen. Dazu werden zwei fantasmatische Abwehrfiguren – die der „sexuell unterdrückten muslimischen Frau“ und die des „sexuell gefährlichen muslimischen Flüchtlings“ – diskutiert und ihre Funktion im Diskurs einer Migrationsabwehr betrachtet.


Zur Person: Gabriele Dietze, Prof. Dr. phil., seit Sommer 2009 Mitarbeiterin in der DFG Forschergruppe „Kulturen des Wahnsinns“ und seit 2012 im Teil-Projekt „Affektive Maskulinitäten" an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Studium der Germanistik, Philosophie, Politologie in Frankfurt (Main) sowie Amerikanistik und Cultural Studies an der FU Berlin; 1996 Promotion am John F. Kennedy Institut für Nordamerikastudien der FU Berlin ("Hard-Boiled Women. Sex-Wars in American Mystery Novels“); 2004 Habilitation an der HU („Gerechtigkeit Verhandeln. Konkurrenz von Race- und Gender in US amerikanischem Emanzipationsdiskurs“). Sie war u.a. Harris- Professor of Gender Studies am Dartmouth College; Visiting Fellow am DuBois Institute in Harvard, an der NYU und Columbia University; Robert Bosch Guest Professor an der University of Chicago; Gastprofessorin für Kulturwissenschaft an der HU und Aigner-Rollett Gastprofessorin für Geschlechterstudien und Kulturwissenschaft an der Universität Graz. Sie lehrt und forscht derzeit an der HU Berlin zu den Schwerpunkten Migration und Geschlecht.

 

 

 

 

Dienstag, 15.11.2016, 18.00 Uhr, K.0.01 (Stiftungssaal)

 

Piero Purini (Triest): Building a national history by fakes. Use of fake photos for the National Memorial Day of the Exiles and Foibe in Italy


Starting from the 1990s (both because of the coming of former fascist right wing in the government and because of the fall of Jugoslavia) in the italian society a strong historical revisionism had spread in order to build a national collective imaginary and a common memory: all italian citizens have the same history and so they must recognize themselves in only one point of view of historical events. Almost all interpretations of italian history based on concepts like class or ideological belonging were cancelled using TV dramas, theatrical plays and trivializing history on the web. Antifascist resistence movement is detracted; the principles and values of partisans are equated with those of fascist soldiers of Mussolini's Social Republic; events in which italians were victims (never persecutors!) are strongly emphasized. In this context was created the National Memorial Day of the Exiles and Foibe, imitating International Holocaust Remembrance Day. To celebrate National Memorial Day of the Exiles and Foibe are often used vintage photos, but frequently these images have nothing to do with events like foibe and histrian exile: they show refugees from other countries, not italian victims, photos of other wars. Maybe using these fake photographs is just an error, but more probably under this manipulation there is a deliberate intention to touch emotionally the viewers, to show historical facts in a more tragic way than it was in reality and to build a collective imaginary on these events, common for all the italians.
Vgl.
http://www.wumingfoundation.com/giap/?p=20649


Zur Person: Piero Purini is a historian and musician, graduated in Triest University under the guidance of Jože Pirjevec. After graduation he studied in Ljubljana and got PhD at Klagenfurt University (supervisor Karl Stuhlpfarrer). His main interest is in migrations, forced exoduses and use of propaganda to move populations, expecially in the North Adriatic area. He wrote several books and articles; the most meanigful is “Metamorfosi etniche. I cambiamenti di popolazione a Trieste, Gorizia, Fiume e in Istria, 1914-1971” (Ethnic metmorphoses. Changes of population in Trieste, Gorizia, Fiume and Istria, 1914-1971). In the last years he collaborates with Giap, the blog of Wu Ming Foundation. For his not mainstream positions in historical analysis, he has been recently revoked as director of the Risiera di San Sabba museum.

 

 

 

 

Montag, 28.11.2016, 19.00 Uhr, Robert-Musil-Institut, Bahnhofstraße 50

 

Billy Hutter: „Ein Stück von Karlheinz steckt auch in Euch.“ (Lesung)


Kooperation mit dem Robert-Musil-Institut für Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv


Ende der 1990er Jahre entdeckt Billy Hutter bei einer Haushaltsauflösung in Ludwigshafen den Nachlass von Karlheinz N., der kurz zuvor mit Mitte sechzig auf ungeklärte Weise im Rhein ertrank. Die Wohnung ist bis unter die Decke mit Gegenständen und unendlich vielen Papierstapeln vollgestellt, wobei alles mit größter Sorgfalt geordnet scheint. Und statt alles leer zu räumen, an Möbeln und Gegenständen das, was zu Geld zu machen ist, zu verwerten, und den Rest der Müllverbrennungsanlage zu übereignen, beginnt Hutter, sich mit dem Nachlass dieses Menschen zu beschäftigen. Denn Karlheinz, Sohn eines Chemikers bei der BASF, hat sein Leben akribisch dokumentiert: seine Schulzeit, die Bombardierung seiner Heimatstadt, seine Studienfachwahl nach dem Abitur. Die sonntäglichen Ausflüge mit den Eltern in die Pfalz, zu deren Zweck man eigens ein Auto kaufte. Jede Anschaffung, vom Hosenknopf bis zur Hotelrechnung, wird aufgelistet, auch die gelegentlichen Besuche bei Prostituierten. Aus Kinderzeichnungen, Schulaufsätzen und unzähligen Tagebüchern lassen sich die prototypischen Zutaten eines
Spießerlebens ablesen, das – bei aller Besonderheit – exemplarisch die westdeutsche Nachkriegszeit und die Jahre des Wirtschaftswunders und der 1960er und 1970er Jahre dokumentiert. Und wie immer, wenn man sich mit der Geschichte jener Jahre auseinandersetzt, wird neben Banalem und unfreiwillig Komischem auch das Grauen sichtbar. Und so führt Hutters Zeitreise nicht nur in den nahen Pfälzer Wald oder in die Alpen, sondern bis nach Ravensbrück und nach Auschwitz.


Billy Hutter (2015): Karlheinz, Metrolit Verlag Berlin.
Gebunden mit Schutzumschlag 224 Seiten / Inklusive 16-seitigem Bildteil /
ISBN 978-3-8493-0106-4


Rezensionen zum Buch:

Spiegel Online

Perlentaucher

Arte

Süddeutsche

Zur Person: Billy Hutter wurde 1958 in Ludwigshafen/Rhein geboren. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Haushaltsauflösungen und der Restauration alter Möbel. Daneben arbeitet er an Performanceprojekten (z.B. Buero für Angewandten Realismus) und als Autor. In Ludwigshafen ist er Mitbetreiber eines sehr seltsamen, privaten Heimatmuseums. Karlheinz ist sein erster Roman. In diesem Text rekonstruiert er aus den Resten eines Nachlasses (Gegenstände, Fotografien, Dokumente, private Aufzeichnungen) das Leben eines Unbekannten.

 

 

 

 

Dienstag, 06.12.2016, 18.00 Uhr, Z.1.09

 

Felix Stalder (Zürich): Die Kultur der Digitalität


Kooperation mit dem AAU MK – Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft


Referentialität, Gemeinschaftlichkeit und Algorithmizität wurden zu den charakteristischen Formen der Kultur der Digitalität, weil sich immer mehr Menschen auf immer mehr Feldern und mithilfe immer komplexerer Technologien aktiv in die Verhandlung von sozialer Bedeutung einschreiben (müssen). Sie reagieren so auf die Herausforderungen einer chaotischen, überbordenden Informationssphäre und tragen zu deren weiteren Ausbreitung bei. Die Allgegenwart dieser Formen macht es sinnvoll, überhaupt von der Kultur der Digitalität im Singular zu sprechen. Die Ziele, die in diesen kulturellen Formen verfolgt werden, sind jedoch so vielfältig, widersprüchlich und konfliktreich wie die Gesellschaften als Ganzes. Deshalb wäre es falsch zu vermuten, dass die gesellschaftlich-politische Entwicklung ebenfalls in einem alternativlosen Singular verlaufe. Im Gegenteil, Alternativlosigkeit ist eine ideologische Behauptung, die selbst Teil eines partikularen politischen Programms ist.


Felix Stalder (2016): Kultur der Digitalität. Suhrkamp Berlin.
Vgl.
http://www.suhrkamp.de/buecher/kultur_der_digitalitaet-felix_stalder_12679.html


Zur Person: Felix Stalder ist Professor für Digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste, Mitglied des World Information Institute in Wien und Moderator der Mailingliste <nettime>.
Vgl.
http://felix.openflows.com/

 

 

 

 

Mittwoch, 11.01.2017, 18.00 Uhr, Z.1.29

 

Sandra Hölbling-Inzko (Klagenfurt): „+1 für die Frage“ – Charakteristika der Wissenskommunikation auf Question-and-Answer-Webseiten


Question-&-Answer-Webseiten sind eine Online-Kommunikationsform, deren Nutzer_innen sich dem Sammeln und Austausch von Wissen verschrieben haben. Q&A-Seiten sind mit anderen kollaborativen Wissenssammlungsprojekten im Web, wie etwa Wikipedia, vergleichbar. Sie unterscheiden sich jedoch dadurch, dass sie in Form von Fragen und Antworten aufgebaut sind. Diese strukturelle Bedingung führt neben anderen zur Entwicklung besonderer Praktiken durch die Nutzer/innen. Anhand der gattungsanalytischen Untersuchung der Seite German Language, einer englisch-deutschen Seite innerhalb des Stack Exchange-Netzwerkes, sollen im Vortrag drei zentrale Charakteristika der schriftlich realisierten Interaktion auf Q&A-Seiten aufgezeigt werden: 1) Zusammenarbeit, die ja bereits in der Idee dieser Kommunikationsform festgeschrieben ist, lässt sich zumindest auf zwei Weisen beobachten, auf eine stärker altruistische und eine stärker eigennützige Weise. 2) Auch wenn es sich um eine asynchrone Kommunikationsform handelt, spielt Zeit auf zwei Weisen eine große Rolle: Einerseits zeigen die Teilnehmenden einander an, wie sehr sie rasch erfolgende Reaktionen erwarten. Andererseits ist die Kommunikation so zerdehnt, dass das Anknüpfen an Diskussionen selbst nach Jahren noch möglich ist. 3) Humor und das Spielen mit der Sprache stellen zentrale Merkmale der auf dieser Seite stattfindenden Kommunikation dar, und dies, obwohl das Beantworten von auf Faktenwissen gerichteten Fragen im Vordergrund steht.


Zur Person: Sandra Hölbling-Inzko ist Universitätsassistentin am Institut für Kulturanalyse. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen qualitative Methoden, computervermittelte Kommunikation und Wissenssoziologie.

 

 

 

 

Mittwoch, 25.01.2017, 18.00 Uhr, K.0.01 (Stiftungssaal)

 

Simone Egger (Klagenfurt): In the making. Ein Gemeindemuseum im Aushandlungsprozess


Seit 2014 begleitet Simone Egger die Entstehung eines Museums in der Gemeinde Wattens in Tirol. Ausgehend von der Annahme, dass es die eine Erzählung nicht geben kann, basiert die Forschung, und damit auch die Konzeption des Hauses, auf der Auseinandersetzung mit der strukturellen und sozialen Biografie der Gemeinde. Aus Gesprächen, Archivalien und Objekten ergeben sich Kontexte und Narrative. Übergeordnet wird es in der Dauerausstellung um
die Alltags- und Industriegeschichte des Ortes gehen, an dem sich Daniel Swarovski 1895 mit seiner Glasschleiferei angesiedelt hat. Als wesentlicher Strang soll der historische Wandel vom Bauern- zum Industriedorf nachgezeichnet werden. Das Projekt knüpft an die Gemeindestudien an, die in der empirischen Kulturwissenschaft seit den 1970er Jahren entstanden sind. Dabei spielt die kulturpolitische Dimension ebenso eine Rolle wie die Entwicklung des ländlichen Raums. Der laufende Prozess wirft viele Fragen auf. Welche Akteure interessieren sich für „Geschichte“? Wie lassen sich die Bewohner_innen miteinbeziehen? Simone Egger wird mit der Museumsarbeit auch ein Berufsfeld der angewandten Kulturwissenschaft vorstellen.


Zur Person: Simone Egger ist seit Oktober 2016 als Postdoc-Assistentin am Institut für Kulturanalyse an der Alpen-Adria-Universität beschäftigt.

 
 
 
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