CODE OF CONDUCT. Verhaltenscodex für gute wissenschaftliche Praxis
Im Sommer/Herbst 2008 wurde von der AG Plagiat unter Leitung von Vizerektorin Jutta Menschik-Bendele ein "Code of Conduct. Verhaltenskodex der Alpen-Adria-Universität zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" ausgearbeitet und im Mitteilungsblatt vom 5. November (3. Stück/Studienjahr 2008/09) veröffentlicht, der unter allen Mitgliedern der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, den wissenschaftlichen wie den allgemeinen MitarbeiterInnen und den Studierenden, Bewusstsein für die Problematik schafft.
Verhaltenskodex der Alpen-Adria-Universität zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis[i]
Präambel
Wissenschaftliche Redlichkeit und die Beachtung der Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis sind unverzichtbare Voraussetzungen wissenschaftlichen Arbeitens.
Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis widersprechen dem Wesen der Wissenschaft.
Die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt ist der guten wissenschaftlichen Praxis in Forschung und Lehre verpflichtet. Sie anerkennt die Pflege guter wissenschaftlicher Praxis und den angemessenen Umgang mit Vorwürfen von Fehlverhalten als ihre institutionelle Aufgabe.
Dieser Verhaltenskodex ist eine Leitlinie für alle Angehörige der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt: lehrende, forschende und allgemeine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Studentinnen und Studenten.
Die Einhaltung der nachfolgend aufgeführten Grundsätze trägt nachhaltig dazu bei, Fehlverhalten in der Wissenschaft zu vermeiden und die Qualität wissenschaftlicher Arbeit zu fördern.
Die folgenden acht Grundsätze ersetzen in keinem Punkt bestehende (allgemeine oder fachspezifische) gesetzliche Regelungen und ethische Normen, sondern verankern allgemeingültige Grundsätze wissenschaftlicher Ethik auf gesamtuniversitärer Ebene.
Grundsatz 1 Allgemeine Prinzipien der wissenschaftlichen Praxis
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt tätig sind, haben
Grundsatz 2 Fehlverhalten in der Wissenschaft
Fehlverhalten in der Wissenschaft liegt vor, wenn in einem wissenschaftsrelevanten Zusammen-hang bewusst oder grob fahrlässig Falschangaben gemacht werden, geistiges Eigentum anderer verletzt oder auf andere Art und Weise deren Forschungstätigkeit beeinträchtigt wird. Als Fehl-verhalten in der Wissenschaft gelten:
Falschangaben durch
Verletzung geistigen Eigentums
in Bezug auf ein von einem anderen geschaffenes urheberrechtlich geschütztes Werk oder von anderen stammende wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse, Hypothesen, Lehren und Forschungsansätze durch
Beeinträchtigung der Forschungstätigkeit anderer durch
Unberechtigte Inanspruchnahme der (Mit-) Autorenschaft
Grundsatz 3 Mitverantwortung für Fehlverhalten
Eine Mitverantwortung für Fehlverhalten kann sich insbesondere ergeben durch
Grundsatz 4 Leitungsverantwortung und Zusammenarbeit
Jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler handelt eigenverantwortlich im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit. Wer Leitungsaufgaben eines wissenschaftlichen Bereichs (Institut, Arbeitsgruppe etc.) wahrnimmt, trägt zugleich Verantwortung für eine angemessene Organisation, die sicherstellt, dass die Aufgaben der Leitung, Aufsicht, Konfliktregelung und Qualitätssicherung eindeutig zugewiesen und tatsächlich wahrgenommen werden.[ii]
Jede Leiterin und jeder Leiter eines wissenschaftlichen Bereichs hat sich wissenschaftlich vorbildlich zu verhalten und dafür Sorge zu tragen, dass die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis eingehalten werden.
Grundsatz 5 Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses
In allen Instituten und sonstigen universitären Forschungseinrichtungen ist dafür Sorge zu tragen, dass für den wissenschaftlichen Nachwuchs, insbesondere für Diplomandinnen und Diplomanden, Master- und Doktoratsstudentinnen und -studenten, „post docs“ sowie auch für Assistentinnen und Assistenten und Habilitandinnen und Habilitanden, eine angemessene Betreuung sichergestellt ist und eine primäre Ansprechperson existiert.
Jede Universitätslehrerin und jeder Universitätslehrer ist aufgefordert, dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Grundsätze der guten wissenschaftlichen Praxis zu vermitteln und Fehlverhalten in der Wissenschaft zu thematisieren, um so zur Entwicklung eines Problem- und Verantwortungsbewusstseins beizutragen.
Grundsatz 6 Sicherung und Aufbewahrung von Primärdaten
Primärdaten als Grundlage von wissenschaftlichen Veröffentlichungen müssen unbeschadet sonstiger gesetzlicher Bestimmungen auf haltbaren und gesicherten Trägern für mindestens zehn Jahre aufbewahrt werden, soweit dies möglich und zumutbar ist. Alle wichtigen Ergebnisse müssen eindeutig und nachvollziehbar dokumentiert und protokolliert werden, da wissenschaftliche Ergebnisse nur reproduziert werden können, wenn alle wichtigen Schritte nachvollziehbar sind.
Grundsatz 7 Wissenschaftliche Veröffentlichung
Autorinnen und Autoren sind für die wissenschaftliche Verlässlichkeit ihrer Veröffentlichung selbst verantwortlich. Veröffentlichungen, die über neue wissenschaftliche Ergebnisse berichten, sollen die Ergebnisse und die angewandten Methoden vollständig und nachvollziehbar beschreiben und eigene und fremde Vorarbeiten vollständig und korrekt nachweisen.[iii]
Veröffentlichungen im Internet und die Verwendung von Internet-Quellen unterliegen denselben Regelungen wie andere Veröffentlichungen und Quellen.
Sind an einer Forschungsarbeit bzw. an der darauf aufbauenden Publikation mehrere Personen beteiligt, so kann als Mitautorin oder Mitautor nur genannt werden, wer zur Konzeption der Studien oder Experimente, zur Erarbeitung, Analyse und Interpretation der Daten oder zur Formulierung des Manuskriptes selbst wesentlich beigetragen und der Veröffentlichung zugestimmt hat.[iv]
Alle Mitautorinnen und Mitautoren sollten die Freigabe eines Manuskripts zur Veröffentlichung schriftlich bestätigen. Sofern Art und Umfang der Forschungsarbeit bzw. die Anzahl der beitragenden Autorinnen und Autoren es zulassen, ist auch kenntlich zu machen, welchen Beitrag die einzelne Person geleistet hat.[v]
Grundsatz 8 Betreuung der Studierenden
Der Code of Conduct der Alpen-Adria-Universität wird den Studierenden bei Studienbeginn mit Unterstützung der Österreichischen Hochschülerschaft zur Kenntnis gebracht.
In sämtlichen Studien werden in einführenden Lehrveranstaltungen die Grundsätze und die Praxis des guten wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt.
Jede Universitätslehrerin und jeder Universitätslehrer hat sich seiner Vorbildwirkung bewusst zu sein und ist aufgefordert, die Studierenden in der guten wissenschaftlichen Praxis zu fördern und zu unterstützen, Fehlverhalten in der Wissenschaft zu thematisieren und so zur Entwicklung eines Problem- und Verantwortungsbewusstseins beizutragen.
Bekanntmachung
Dieser Code of Conduct wird allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen Studentinnen und Studenten zur Kenntnis gebracht und im Mitteilungsblatt der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt veröffentlicht.
[i] Dieser Verhaltenskodex wurde erstellt von der AG Plagiat der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt unter Leitung von Vizerektorin Jutta Menschik-Bendele in Anlehnung an den CoC der TU Wien vom 23.10.2007, an die Richtlinien der Österreichischen Rektorenkonferenz zur Sicherung einer guten wissenschaftlichen Praxis und an die Empfehlungen der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Weinheim: Wiley-VCH, 1998).
[ii] Die Leitungsfunktion eines wissenschaftlichen Bereichs verlangt Sachkenntnis, Präsenz und Übersicht. Kann die Leitungsverantwortung aufgrund der Größe der Gruppe oder aus sonstigen Gründen nicht ausreichend wahrgenommen werden, so sind die Leitungsaufgaben zu delegieren.
Das Zusammenwirken in wissenschaftlichen Bereichen muss so beschaffen sein, dass die in spezialisierter Arbeitsteilung erzielten Ergebnisse wechselseitig mitgeteilt, kritisiert und in einen gemeinsamen Kenntnisstand integriert werden können. Dies ist auch für die Ausbildung der Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in der Gruppe zur Selbständigkeit von besonderer Bedeutung. Die wechselseitige Überprüfung der Arbeitsergebnisse ist ebenfalls sicherzustellen, dies auch durch zur Verfügung stellen eigener Ergebnisse.
[iii] Bereits früher veröffentlichte Ergebnisse sollen nur in klar ausgewiesener Form und nur insoweit wiederholt werden, als es für das Verständnis des Zusammenhangs notwendig ist.
[iv] Die Leitung einer Organisationseinheit, eines Forschungsprojektes oder einer Arbeitsgruppe begründet ebenso wenig eine Autorenschaft wie die bloße Mitwirkung bei der Datenerhebung oder die Finanzierung des Forschungsvorhabens. Die so genannte „Ehrenautorenschaft“ ist ausgeschlossen.
Werden im Manuskript unveröffentlichte Beobachtungen anderer Personen zitiert oder Befunde anderer Institutionen verwendet, so ist – vorbehaltlich anderer anerkannter fachspezifischer Praxis – vorab deren schriftliches Einverständnis einzuholen.
[v] Durch das Einverständnis mit der Nennung als Mitautorin oder als Mitautor wird die Mitverantwortung dafür übernommen, dass die mitautorisierte Publikation wissenschaftlichen Standards entspricht. Dies gilt vor allem für den Bereich, für den die Mitautorin oder der Mitautor einen Beitrag geliefert hat; sie oder er ist sowohl für die Korrektheit des eigenen Beitrags wie auch dafür verantwortlich, dass dieser in wissenschaftlich vertretbarer Weise in die Publikation eingebracht wird.
Code of Conduct of the Alpen-Adria-Universität to ensure good academic practice [I]
Preamble
Academic probity and compliance with the principles of good academic practice are essential preconditions for academic work.
Infringements of good academic practice are in conflict with the nature of science.
The Alpen-Adria-Universität Klagenfurt is committed to good academic practice in research and teaching. It acknowledges that the fostering of good academic practice and an appropriate approach to allegations of misconduct is an institutional function.
This code of conduct is a guideline for all members of the Alpen-Adria-Universität Klagenfurt: teaching, research and general employees as well as students.
Compliance with the principles set out in the following will contribute in the long term to avoiding misconduct in the field of science and to promoting the quality of academic work.
The following eight principles in no way replace existing (general or subject specific) statutory provisions and ethical standards but instead establish generally applicable principles of academic ethics at the level of the University as a whole.
Principle 1 General principles of academic practice
Academics active at the Alpen-Adria-Universität Klagenfurt shall
Principle 2 Misconduct in science
Misconduct in science shall be if, in a context of relevance to science, deliberately or with gross negligence incorrect information is provided, intellectual property of others is infringed or their research activities are impaired in any other manner. Misconduct shall include:
Incorrect information through
Infringement of intellectual property
with respect to copyright work created by another or significant academic knowledge, hypotheses, teachings and research approaches originating from others by means of
Impairment of another's research activity by
Unjustified assumption of (co-) authorship
Principle 3 Co-responsibility for misconduct
Co-responsibility for misconduct can in particular result from
Principle 4 Management responsibility and collaboration
Every academic acts under his or her own responsibility within the framework of academic work. Anyone who carries out management functions in an academic field (department, working party etc) also bears responsibility for an appropriate organisation that ensures that the management, supervision, conflict settlement and quality assurance functions are allocated beyond doubt and are actually implemented. [II]
Each head of an academic sector shall conduct himself or herself as an academic model and ensure that the rules of good academic practice are complied with.
Principle 5 Supervision of next-generation academics
Each department and other university research establishment shall ensure that appropriate supervision is provided and that a primary contact person is appointed for next-generation academics, in particular for diploma, masters and doctoral students, post-docs, university assistants and candidates preparing for the Habilitation.
Each university teacher is expected to communicate the principles of good academic practice to the next generation of academics and to raise the topic of misconduct in science in order to contribute to the development of an awareness of the problem and responsibilities.
Principle 6 Securing and permanent storage of primary data
Primary data as the basis of academic publications must be stored on lasting and secured data carriers for at least 10 years irrespective of other statutory provisions, to the extent that such is possible and reasonable. All important results must be documented and recorded without ambiguity and in a manner capable of verification, since academic results can only be reproduced if all the important stages can be verified.
Principle 7 Academic publication
Authors are responsible for the academic reliability of their publications themselves. Publications that report about new academic results should describe the results and the methods used in full and in a manner capable of verification and provide complete and correct evidence of the author's own and third party’s preparatory works. [III]
Publications on the Internet and the use of Internet sources are subject to the same provisions as other publications and sources.
If a number of persons are involved in a piece of research work or the publication based on such, only persons who have made a major contribution to the concept of the study or experiments, to the preparation, analysis and interpretation of the data or to the wording of the manuscript themselves and have consented to publication can be identified as co-authors. [IV]
All authors should confirm their release of the manuscript for publication in writing. If permitted by the manner and scope of the research work or the number of authors contributing, the individual contributions of each person should also be identified. [V]
Principle 8 Supervision of students
The code of conduct of the Alpen-Adria-Universität is notified to the students at the start of their studies with the assistance of the Austrian Students’ Union.
In all degree programmes, introductory courses communicate the principles and practice of good academic work.
Every university teacher shall be aware of his or her function as a role model and is expected to encourage and support students in good academic practice, raising the topic of misconduct in science and thereby contributing to developing an awareness of the problem and responsibilities.
Publication
This code of conduct is brought to the attention of all staff and students and published in the Alpen-Adria-Universität Klagenfurt Gazette.
[I] This code of conduct was prepared by AG Plagiat of the Alpen-Adria-Universität Klagenfurt under the direction of Vice Rector Jutta Menschik-Bendele, and is based on the Code of Conduct of the Vienna Technical University dated 23.10.2007, the Guidelines of the Austrian Conference of Rectors to Ensure Good Academic Practice and the Recommendations of the “Self Monitoring in Science” Commission of the German Research Community (Weinheim: Wiley-VCH, 1998)
[II] The management function of an academic field requires knowledge of the subject, presence and an overview. If management responsibility cannot be sufficiently exercised due to the size of the group or other reasons, the management functions shall be delegated.
Interaction in academic fields must be of such a nature that the results achieved through the specialised division of labour can be reciprocally communicated and criticised, and integrated in a common level of knowledge. This is also of particular importance for the training of next-generation academics within the group so that they can work independently. The reciprocal review of working results must also be ensured, including by making available one's own results.
[III] Previously published results should only be repeated in a manner that is clearly identified and only to the extent necessary for understanding the context
[IV] The management of an organisation unit, a research project or a working party is no more justification for co-authorship than mere participation in the collection of data or the financing of the research project. “Honorary authorship” is not permitted.
If unpublished observations by other persons are cited in the manuscript or if findings by other institutions are used, their written consent must first be obtained, subject to other recognized subject practice.
[V] By consenting to identification as co-author, responsibility is also assumed that the publication authorised in this manner meets academic standards. This applies above all to the field for which the co-author has provided a contribution; he or she is responsible both for the correctness of his or her own contribution and for it being included in the publication in an academically acceptable manner.