Karlheinz Erb erhält ERC Starting Grant 2010: Die zwei Gesichter der Intensivierung der Landnutzung

Karlheinz Erb vom Institut für Soziale Ökologie der Alpen-Adria Universität wird vom European Research Council mit dem Starting Grant 2010 ausgezeichnet. Im Projekt LUISE will er in den nächsten 5 Jahren auf lokaler und globaler Ebene forschen.

„Wie verändert sich Landnutzung? Was sind die natürlichen, sozialen und ökonomischen Antriebskräfte dafür? Wie kann man die Intensität der Landnutzung messen? Welche Nutzen, welche Kosten sind mit Intensivierung verbunden? Und wie wirkt sich die Intensivierung von Landnutzung auf die Gesellschaft, auf die Umwelt und speziell auf das Klima aus?“ fragt der Sozialökologe Karlheinz Erb mit seinem interdisziplinärem Team. Dabei geht es ihm um wissenschaftliche Methoden-, Konzept- und Indikatorenentwicklung in einem bisher vernachlässigten Forschungsbereich an der Schnittstelle zwischen Sozial- und Naturwissenschaften.

Landnutzungsintensität ist ein wichtiger Aspekt der menschlichen Nutzung unserer Biosphäre. Die Geschichte zeigt, dass Landnutzungsintensivierung die Grundlage für die Ernährung einer steigenden Bevölkerung geliefert und wesentlich zur Verbesserung der Ernährungslage beigetragen hat. Allerdings hat die Intensivierung auch zu dringlichen Umweltproblemen, von Pestizid- und Grundwasserbelastungen bis hin zu Bodendegradation, geführt. Eine wachsende Erdbevölkerung, zusammen mit der steigenden Nutzung von Biotreibstoffen, bei der gleichzeitigen Notwendigkeit verbleibende Wälder zu erhalten, machen Intensivierung zu einem Schlüsselthema der nahen Zukunft. Zurzeit fehlt es allerdings an umfassenden, systematischen und räumlich expliziten Indikatoren für die Messung der Intensität der Landnutzung. In Folge bleiben Erklärungsansätze wie auch Einsichten in die Möglichkeiten und Grenzen der Intensivierung unbefriedigend. Zu einem großen Teil liegt das am Schwerpunkt der konventionellen Landnutzungsforschung, die wesentliche Fortschritte bei der Vermessung und Analyse von Veränderung der Landbedeckung erzielt hat, die aber mit dem entwickelten Methodeninventar Veränderungen in der Landnutzung welche ohne drastische Veränderungen der Landbedeckung einhergehen, nicht bearbeiten kann. Graduelle Unterschiede, wie sie mit Veränderungen von Intensität verbunden sind, können so nicht abgebildet werden.

Mit dem Projekt LUISE (‚An integrated socioecological approach to land-use intensity: Analyzing and mapping biophysical stocks/flows and their socioeconomic drivers’) soll es möglich werden, Landnutzungsintensität und deren Veränderung darzustellen und Ursachen und Auswirkungen von Intensivierung besser zu verstehen. Aufbauend auf dem Methodeninventar der Sozialen Ökologie soll ein tiefergreifendes Verständnis für Prozesse und Dynamik der Veränderungen von Landnutzung, von der lokalen bis zur globalen Ebene, entwickelt werden. Dabei werden sozio-ökonomische Einflüsse auf das Ökosystem genauso berücksichtigt wie Veränderungen im Ökosystem und die damit verbundenen Veränderungen der Funktionen der Ökosysteme für die Gesellschaft. Damit wollen Karlheinz Erb und sein Team einen Beitrag zur jungen Forschungsdisziplin Global Land Research (Globale Landnutzungsforschung) und damit zur Nachhaltigkeitsforschung leisten.

Karlheinz Erb kam 1990 zum Ökologiestudium aus Lana bei Meran in Südtirol an die Universität Wien, belegte das Master Programm Humanökologie in Brüssel, promovierte 2003 in Wien. Aufenthalte an der University of Leeds (UK) und am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung folgten (D). Im April 2008 hat Erb sich habilitiert, seit 2010 ist er a.o. Professor für Landnutzung und Globalen Wandel am Institut für Soziale Ökologie, Wien (Alpen-Adria-Universität  Klagenfurt-Graz-Wien). Er ist Mitglied der Commission for Ecosystem Management der UN-Umweltbehörde IUCN.

 

Kontakt:
a.o. Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Erb,

E-Mail: Karlheinz [dot] erb [at] uni-klu [dot] ac [dot] at
http://www.uni-klu.ac.at/socec/inhalt/904.htm

Tel: +43 1-5224000-405

 

Karlheinz Erb | Foto: aau/KK

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