Soziologie ist eine Wissenschaft, deren Aufgabe es ist, das aufeinanderbezogene Handeln der Menschen und den daraus resultierenden Zustand sowie die Entwicklung der Gesellschaft zu beschreiben und zu erklären. Im Unterschied zu anderen Verhaltenswissenschaften widmet die Soziologie ihre Aufmerksamkeit dabei vor allem der Erforschung geschichtlich entstandener gesellschaftlicher Strukturen, in die Menschen hineingeboren werden, die sie während des Heranwachsens „prägen“, die sie andererseits durch ihr gemeinsames Handeln fortwährend erneuern. Solche Strukturen sind beispielsweise: Wert- und Glaubenssysteme, Verwandtschaftsbeziehungen, überlieferte Institutionen wie Familien, Schulen, Universitäten oder Kirchen, vor allem aber die soziale Organisation der Arbeit.
Da sich das mit den gesellschaftlichen Strukturen in Wechselwirkung stehende persönliche Handeln auf alle Lebensbereiche erstreckt, hat sich die Soziologie nach ihrer Konstituierung im Rahmen der Entwicklung der Wissenschaft seit Anfang des 19. Jahrhunderts rasch entwickelt und eine Vielzahl von Spezialgebieten hervorgebracht. Diese reichen von Arbeits-, Betriebs- und Wirtschaftssoziologie über Bildungs- und Organisationssoziologie bis hin zur Familien-, Entwicklungs-, Ethno- oder Kunstsoziologie, oder zur Soziologie des Lebenslaufs, der Jugend und des Alters.
Kenntnisse über gesellschaftliche Entwicklungen und Verhältnisse werden in Zukunft objektiv (d.h. unabhängig von Wollen oder Wissen der einzelnen) noch stärker gebraucht werden als bisher, um das individuelle und kollektive Leben erfolgreich zu meistern. Als ein Kernfach der Sozial- und Kulturwissenschaften nimmt die Soziologie die ihr aus dem Gesellschaftsprozess zugewachsene Bedeutung als Instrument gesellschaftlicher Selbstreflexion auf eine solche Weise wahr, dass sie neben den allgemeinen Gesellschaftsproblemen auch jene Fragen aufgreift und systematisch behandelt, die sich im sozialen Wandel in den verschiedenen Teilbereichen des gesellschaftlichen Systems ausdrücken.
SOZIOLOGIE IN KLAGENFURT
Soziologie lässt sich grundsätzlich entweder mit der Absicht betreiben, Verhaltensweisen von Personen sowie gesellschaftliche Strukturen und Prozesse möglichst neutral/wertungebunden zu beschreiben, zu analysieren und zu erklären oder in kritischer Absicht, indem die jeweils gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse und Vorgänge konfrontiert werden mit den Ansprüchen, Erwartungen und Hoffnungen gegenüber gemeinschaftlichem Leben. Die am Klagenfurter Institut für Soziologie (kurz IfS) betriebene Soziologie sieht sich eher in der Tradition kritischer Soziologie. Die Hauptaufgabe einer kritischen Soziologie besteht darin, gemeinsam mit ihren Nachbardisziplinen einen kontinuierlichen Beitrag zur Bewusstseinsentwicklung in der regionalen Teilgesellschaft zu leisten, um diese in ihrer Weiterentwicklung für die Bewältigung der Aufgaben, wie sie sich durch den rapiden sozialen und kulturellen Wandel im Rahmen globaler Vergesellschaftung mit ihren speziellen Anforderungen und Auswirkungen auf komplexe – und oft auch fragwürdige – Weise stellen, zu unterstützen.
Das IfS versucht, dieser Aufgabenstellung in mehrfacher Hinsicht zu entsprechen: Einmal durch ein breit gefächertes Lehrveranstaltungsprogramm und ein Lehrangebot für Studienrichtungen aller Fakultäten und zum anderen durch verschiedene nationale und internationale Forschungsprojekte, in die die Mitglieder regelmäßig eingebunden bzw. in denen sie federführend tätig sind. Das Interesse an und die Bereitschaft zu universitätsinterner Kooperation und zu Dienstleistungen, die soziologische Wissensinhalte und Forschungsergebnisse auch nach aussen tragen sollen – in die Region, aber auch über diese hinaus –, vervollständigen das Spektrum an Aktivitäten.
Die konkreten Schwerpunkte des Institutes für Soziologie der Universität Klagenfurt liegen traditionell in Theorie, Forschung und Lehre vor allem auf den Gebieten der Bildungssoziologie und der Hochschulforschung, der Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie, der regionalen und vergleichenden Entwicklungsforschung sowie der Ethno- und Kultursoziologie.
SOZIOLOGIE IN DER ALPEN-ADRIA UNIVERSITÄT
Das IfS hat Funktionen sowohl gegenüber Wirtschafts- als auch gegenüber Kulturwissenschaften zu erfüllen. Die aktuelle Lage der Klagenfurter Soziologie ist geprägt von institutionellen Festlegungen wie etwa der Zugehörigkeit zur Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Informatik, bei Serviceleistungen gegenüber der Fakultät für Kulturwissenschaften. Das verbindende Angebot gegenüber beiden Fakultäten besteht in kontinuierlicher Lehre im Rahmen einiger an ihnen eingerichteter Studienrichtungen – mit den zentralen Perspektiven "Arbeit und Betrieb", "Bildung und Kultur" sowie mit der Perspektive auf die Entwicklung zur "Globalen Gesellschaft".
Aktuell beziehungsweise längerfristig stellt sich in verschiedenen Öffentlichkeiten wiederholt die Frage: Wozu heute noch Soziologie? Den Mitarbeiter/inne/n des IfS kommt es darauf an soziologische Beiträge zu leisten, die nicht defensiv (i.S. bloßer Affirmation des Bestehenden) sind, sondern durchaus selbstbewusst und realistisch auf Tradition und Eigenheiten (Erkenntniskraft) der Disziplin verweisen sollen.