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Schule neu denken

Konrad Krainer spricht mit Unisono über die wichtigsten Eckpfeiler des neuen „Konzeptes der LehrerInnenbildung“ in Österreich.

 

Herr Krainer, 2009 wurde der Startschuss für eine neue LehrerInnenbildung von den Ministerien gegeben. Welche grundsätzlichen Überlegungen standen dahinter?

Das österreichische Bildungssystem hat - vor allem ausgelöst durch international vergleichende Studien wie TIMSS und PISA – zu Reformanstrengungen geführt. Initiativen wie Bildungsstandards, Innovationen Machen Schulen Top (IMST), Neue Mittelschule oder Neue Reifeprüfung (an AHS und BHS) sind ein Zeugnis davon. Diese und viele weitere Herausforderungen machen auch Innovationen im Bereich der LehrerInnenbildung dringend nötig. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern werden in Österreich die PädagogInnen an unterschiedlichen Institutionen ausgebildet - an Universitäten, Pädagogischen Hochschulen,, Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (BAKIP) und Sozialpädagogik (BASOP) sowie an kirchlichen Einrichtungen. Unsere Bildungslandschaft ist also stark fragmentiert, allein die Anzahl an lehramtsführenden Hochschulen und Universitäten beträgt 29. Hinzu kommt, dass die Synergien zwischen den Institutionen im Allgemeinen gering sind und das Rad mehrfach neu erfunden wird. Daher war der von beiden zuständigen Ministerien (BMUKK und BMWF) gemeinsam vorgenommene Start höchst notwendig und richtig.


Was ist seither passiert?

Die beiden Ministerien beauftragten eine ExpertInnengruppe, inhaltliche und organisatorische Vorüberlegungen für eine LehrerInnenbildung NEU zu erarbeiten. Damit war ein wichtiger Schritt gesetzt. Man beschränkte sich nicht nur auf die LehrerInnen, sondern nahm alle PädagogInnen für die Ausbildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen „von Null bis 19“ in den Blick, also von der frühkindlichen Betreuung bis zur Matura an einer AHS oder BHS. Der Endbericht der ExpertInnengruppe wurde im März letzten Jahres veröffentlicht. Nach der Möglichkeit von Stellungnahmen gab es im November und Dezember 2010 Stakeholderkonferenzen in Linz, Innsbruck, Wien und Graz, an welchem weitere Rückmeldungen eingebracht werden konnten. Neben unterstützenden Argumenten wurden vor allem drei Kritikpunkte genannt: das Fehlen eines Masters für alle, der berufsbegleitende Charakter des Masterstudiums sowie die Vorgabe von bundesländerübergreifenden Lösungen (z.B. Cluster mit Kärnten und Steiermark). Die ExpertInnengruppe heuer wurde von einer „Vorbereitungsgruppe“ abgelöst. Diese hat im Zeitraum Jänner bis Juni 2011 die Aufgabe, aufbauend auf den bisherigen Ergebnissen und Rückmeldungen, Eckpunkte und Standards für Rahmencurricula und Ausbildungsgänge, Qualitätsstandards für die Trägerinstitutionen und Grundlagen für die Einrichtung eines Entwicklungsrates für „LehrerInnenbildung NEU – Die Zukunft der pädagogischen Berufe“ zu erarbeiten.


Gibt es schon Weiterentwicklungen des Konzepts?

Ja. Insbesondere zu den oben genannten Kritikpunkten hat die Vorbereitungsgruppe Verbesserungen vorgesehen. Nach einem vierjährigen Bachelor und einer einjährigen Induktionsphase  - eine Art Schulpraxis – ist ein Master geplant, und zwar für alle PädagogInnen. Weiters werden bundeslandbezogene Entwicklungskonzepte als sinnvoll erachtet, sofern Gesamtpakete angeboten werden können. Ein Wermutstropfen ist der berufsbegleitende Master, aber zumindest scheint angedacht, dass man - bis auf die Masterarbeit alles vor oder während der Induktionsphase – erledigen kann.


 

Bild: Wolfgang Hoi

Was heißt „Gesamtpaket“?

Das ist noch nicht ganz klar, außerdem müssen die Vorschläge der Vorbereitungsgruppe erst politisch abgestimmt werden. Ich vermute, dass damit gemeint ist, dass jeder Standort alle Altersklassen (0-19 Jahre) bedienen und ein Angebot für alle Fächer – falls nötig auch in Kooperation mit anderen Standorten – legen kann.

 

Welcher Zeitrahmen liegt hier vor?

Wenn die Entschlossenheit der beiden Ministerien und der Entwicklungsgruppe anhält, ist damit zu rechnen, dass sehr bald Aufforderungen an die bisherigen Träügerinstitutionen ergehen, sich zusammen zu setzen. Ab Herbst 2011 soll der Entwicklungsrat etabliert werden. Er wird unter anderem den Entwicklungsplan für die Umstellungsphase erstellen und Richtlinien erarbeiten sowie die Akkreditierung der Studiengänge begleiten. Offensichtlich sollen bis 2013 geeignete Strukturen und konkrete Umsetzungen seitens der sich bewerbenden Trägerinstitutionen vorliegen. Das ist ein Zeitrahmen, der konsequentes und rasches Handeln erfordert.

 

Man spricht von einer Zusammenführung der Institutionen.

Das ist richtig. Aus inhaltlicher Sicht ist das sehr zu begrüßen, weil hier Stärken kombiniert werden können. Die Pädagogischen Hochschulen sind stark in derProfessionsorientierung und damit im Ernstnehmen der LehrerInnenbildung, die Universitäten in der  Wissenschaftsorientierung und im kritischen Blick, auch über das Feld „Schule“ hinaus. Auch die BAKIPs und BASOPs wie auch die kirchlichen Einrichtungen werden vielfältige Potenziale einbringen können. Das positive Aufeinander-Zugehen wird nicht leicht, aber es wird nur so gehen und es wird viel brigen. Aus organisatorischer Sicht wird manchmal von nur mehr 6-7 autonomen Ausbildungsstätten gesprochen. Allerdings dürfte das nicht halten. Jedes Bundesland wird versuchen, seine eigene Lösung durchzusetzen. Ich halte dies übrigens auch für Kärnten für wichtig, aber das wird kein Einzelinteresse eines Bundeslands bleiben.


An welche institutionelle Lösung wird hier gedacht?

Eine Aufteilung der LehrerInnenbildung auf dutzende Institutionen gilt es zu überwinden. Die LehrerInnenbildung soll universitär werden, das geht aus dem Konzept klar hervor. Dafür gibt es im Prinzip zwei Lösungen. Möglich wären, je nach regionalen Gegebenheiten, eine eigenständige Pädagogische Universität - wie im Falle der Medizin - oder die Gründung von „Schools of Education“, welche die Kompetenzen an einer bestehenden Universität bündelt - wie etwa eine juristische Fakultät. Wichtig ist, dass alle eine universitäre Ausbildung erhalten. Auch Kinderärztinnen und Jugendrichter werden an Universitäten – und in gleicher Intensität wie alle anderen Ärzte und Juristinnen – ausgebildet.

 

Bild: Wolfgang Hoi

Was bedeutet das für die Alpen-Adria-Universität?

Die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt hat aufgrund deutlicher Stärken vor Ort, begonnener Konzeptentwicklung und einer guten Kooperationsbasis mit der PH Kärnten einen Entwicklungsvorsprung, der aber schnell schmelzen kann. Das Dahinter-Stehen der gesamten Universität wäre wichtig. Es ist sehr viel zu tun, allein aus curricularer Sicht müssen die Lehramtsstudien in die Bologna-Architektur übergeführt werden. Derzeit werden diese in Form von Diplomstudien angeboten. Ein Vorteil der Alpen-Adria-Universität besteht darin, dass wir drei von sechs in Österreich vorhandenen AECC (Anm.: Austrian Educational Competence Centres) haben: für Deutschdidaktik, für Didaktik der Mathematik sowie für Unterrichts- und Schulentwicklung. Wir müssen nun die Chance ergreifen, die LehrerInnenbildung neu zu gestalten. Dies kann nur unter Beteiligung aller geschehen, den Bildungswissenschaften, Fachdidaktiken, Fachwissenschaften und den (studierenden und schon praktizierenden) Lehrenden sowie unter Einbeziehung weiterer relevanter Umwelten wie etwa die Schulbehörde, der Wirtschaft und der Medien. Es liegt die Grundidee einer „School of Education“ vor, um der Aus- und Weiterbildung von Lehrenden wie auch der begleitenden Forschung an der Alpen-Adria-Universität einen gemeinsamen inhaltlichen und organisatorischen Rahmen zu geben. Diese Einrichtung könnte die Basis für eine universitäre Trägerinstitution bilden und wäre eine wichtige Vorleistung seitens der Universität.


Was ist Ihnen in der LehrerInnenbildung wichtig?

Ich finde es außerordentlich gut, dass jetzt Bewegung in das System „Schule“ kommt. Und dazu gehört auch die LehrerInnenbildung. Sie muss universitär sein, aber sie soll die Studierenden auf den Beruf angemessen vorbereiten. Ein Stück vom ersten Fach an einem Institut, ein Stück vom zweiten Fach an einem anderen und dazu eine Brise Pädagogik und Schulpraxis an einem dritten, und all dies ohne gute Verknüpfung, soll es nicht mehr geben. Unterrichten bedeutet, die komplexen Anforderungen zu kombinieren. Und das soll man an der Universität lernen können. Wissenschaftlichkeit allein ist zuwenig. Die angehenden PädagogInnen verdienen es, die „Schule neu“ schon an der Universität kritisch anzudenken.

 

Ich danke für das Gespräch.

Die Fragen stellte für Unisono Lydia Krömer.

 

ZUR PERSON
Universitätsprofessor Konrad Krainer, geboren 1958 in Klagenfurt, studierte Mathematik, Geografie und Wirtschaftskunde an der Alpen-Adria-Universität. Er leitet das Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der IFF-Fakultät. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Mathematikdidaktik und LehrerInnenbildung. Er ist u.a. Mitherausgeber des International Handbook of Mathematics Teacher Education, Hauptvortragender wichtiger internationaler Konferenzen und Mitglied einiger wissenschaftlicher Beiräte (u.a. BIFIE und Telekom-Stiftung, Schwerpunkt LehrerInnenbildung).

 

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