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Einschwingen in die Chancengleichheit

Angesichts der Unterrepräsentation von Frauen in führenden Positionen haben die Gesetzgeber in der westlichen Welt Maßnahmen zur mittelfristigen Sicherung der Chancengleichheit beschlossen, auch für die Wissenschaft, die ja bis vor gut 100 Jahren vollständig männerdominiert war. Bis heute haben Männer hier mehrheitlich das Sagen. Langsam aber sicher stellen sich erste Erfolge ein. Immer mehr Professorinnen werden berufen, die ersten Rektorinnen sind bestellt. Doch die Bestandsgrößen sind weit von Fifty-fifty entfernt. Auch wenn die Alpen-Adria-Universität in Österreich die Führungsrolle einnimmt, lag die Frauenquote bei den (berufenen) ProfessorInnen zum Stichtag 1. März 2011 erst bei rund 27 %. Existiert die „gläserne Decke“ nach wie vor? Bleibt die Chancengleichheit Zukunftsmusik? Die schnelle Antwort lautet „(leider) ja“. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich aber ein anderes Bild.

 


Ein Ansatz, das gesellschaftliche Ziel der „Chancengleichheit“ in eine Messgröße zu gießen, wäre folgender: Wenn sich für irgendeine berufliche Position zwei Gruppen A und B bewerben, und zwar mit den Anteilen a % und b % (b = 100-a), dann könnte man doch von Chancengleichheit sprechen, wenn diese Positionen schlussendlich im Mittel auch von a % Angehörigen der Gruppe A und b % Angehörigen der Gruppe B eingenommen werden. Akzeptiert man diesen (auf Flussgrößen abgestellten) Ansatz und prüft die zugehörigen Zahlen im Kontext der letzten 16 Berufungsverfahren (bis März 2011) der Alpen-Adria-Universität, zeigt sich Folgendes: Der Frauenanteil unter den BewerberInnen betrug 24 %. Im nächsten Schritt, nämlich den Dreiervorschlägen der Berufungskommissionen, sind es bereits 32 % Frauen. Aus diesen Dreiervorschlägen wurden schließlich 53 % Frauen berufen. Damit ist der Anteil mehr als doppelt so hoch wie der Anteil der ursprünglich an der Position interessierten Frauen. Die Chancengleichheit ist in der Tat gestört – allerdings in diesem Fall zu Lasten der Männer (76 % Bewerber, 68 % auf den Dreiervorschlägen, 47 % Berufene).

 

Nun, diese Chancenungleichheit ist auch aus Sicht des männlichen Autors gut verkraftbar – als ein vorübergehendes Phänomen eines gesellschaftlichen „Einschwingvorgangs“. Aber es ist Zeit für die Erkenntnis, dass die „gläserne Decke“ für Frauen an der AAU formal nicht (mehr) existiert.

 


Ist „die Sache“ für uns nunmehr erledigt? Keineswegs! Jetzt muss etwas dagegen unternommen werden, dass nur 24 % der Bewerbungen für Professuren von Frauen kommen. Dieses Phänomen wird sich durch Verordnungen und formale Verfahren nicht wirklich beeinflussen lassen. Es braucht eine kulturelle Veränderung, eine Reform der Gesellschaft von Grund auf.

 

Martin Hitz ist Dekan der Fakultät für Technische Wissenschaften.

 


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