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Die Universität wird weiblicher

Frauenförderung an der Alpen-Adria-Universität ist schon lange ein wichtiges Thema. Der Frauenanteil stieg in den letzten Jahren kontinuierlich und liegt inzwischen bei insgesamt 51 Prozent. Die Universität sorgt für ausgeglichene Geschlechterverhältnisse, aber nach wie vor schaffen nur wenige Wissenschaftlerinnen die Karriereleiter nach oben.


Frau Kanduth-Kristen, Sie sind als Vizerektorin für das Ressort Personal und Frauenförderung zuständig. Der Frauenförderungsplan der Alpen-Adria-Universität ist gesetzlich im Universitätsgesetz 2002 und in der Satzung verankert. Welche Ziele verfolgt die Universität in der Frauenförderung?
Die Frauenförderung zielt darauf ab, so wie es der Frauenförderungsplan auch vorsieht, eine Gleichstellung der Geschlechter herbeizuführen. Eine Unterstützung und Förderung von Frauen speziell in ihrem wissenschaftlichen Fortgang oder in ihrer Weiterentwicklung beruflicher Art bei Mitarbeiterinnen im administrativen Bereich ist oberste Zielsetzung. Die Universität setzt gemäß den Prinzipien des Gender Mainstreaming in sämtlichen Konzepten und Aktivitäten frauenfördernde und gleichstellende Maßnahmen um.

 

Und welche Maßnahmen sind das konkret?
Diese kann man grob in quantitative und qualitative Maßnahmen differenzieren. Bei den quantitativen Maßnahmen geht es darum, den Anteil an beschäftigten Frauen an der Universität zu beobachten und entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zu steigern. Die Bewusstseinsbildung und eine Sensibilisierung für das Thema Gender Mainstreaming ist bei den qualitativen Maßnahmen oberste Priorität. Unter anderem ist dafür Sorge zu tragen, dass Themen der Frauen und Geschlechterforschung in die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen und in die Curricula integriert werden. In der internen Weiterbildung gibt es weiters ein Karrierecoaching für Wissenschaftlerinnen, wo berufliche Zielvorstellungen und Wege der Realisierung erarbeitet werden. Institutionell setzen sich der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen, die Fachabteilung Gleichstellung, Frauenförderung und Diskriminierungsschutz sowie das Zentrum für Frauenund Geschlechterstudien für die Erfüllung des Auftrages zur Frauenförderung ein. Die Abstimmung der Agenden zur Umsetzung des Frauenförderungsplanes und der Arbeitsvorhaben der genannten Einrichtungen erfolgt in einem speziell dafür eingerichteten Gremium, dem Steuerungsgremium gemäß § 68 Frauenförderungsplan, das unter dem Vorsitz des Rektors bzw. der Vizerektorin für Personal und Frauenförderung quartalsweise tagt.


Sie sprechen verstärkt von Gender Mainstreaming. Warum?
Eigentlich geht es um die Frage der Gleichstellung, egal in welche Richtung. Das kann Frauen, das kann aber auch Männer betreffen, die möglicherweise in manchen Bereichen bereits benachteiligt sind. Insofern erscheint die „Reduktion“ auf „Frauenförderung“ zu eindimensional, wiewohl Gender Mainstreaming historisch bedingt primär damit verknüpft ist. Wahrscheinlich wäre daher auch die Bezeichnung meiner Funktion als Vizerektorin für Personal und Gleichstellung treffender als Vizerektorin für Personal und Frauenförderung. Die Frauenförderung als Teil des Gender Mainstreaming geht in eine ganz bestimmte Richtung, aber die Gleichstellung hat viele Facetten. Nach wie vor ist es aber so, dass in diesem Bereich eindeutige Signale gesetzt werden müssen, die dann auch in Funktionsbezeichnungen zum Ausdruck kommen.

 

Wo liegt unsere Universität bei der Erfüllung ihrer Frauenquote?
Der Frauenförderungsplan schreibt vor, dass der Anteil an weiblichen Beschäftigten in allen Organisationseinheiten und auf allen Hierarchieebenen und Gremien mindestens 40 % aufweisen soll. Das Bundes-Gleichbehandlungsgesetz sieht seit 1. Jänner 2010 eine Anhebung auf 45 % vor. Insgesamt erreicht die Universität per 31. Dezember 2010 einen Frauenanteil von 51 %. Somit scheint die Alpen-Adria-Universität die Quote sehr gut zu erfüllen, wobei allerdings eine detailliertere Betrachtung auf Organisationseinheitsebene anzustellen ist. Es zeigt sich, dass die Frauenquote beim administrativen Personal weit über den gesetzlichen Vorgaben liegt. Insgesamt beträgt der Frauenanteil hier rund 71 %. Demgegenüber fällt die Quote im wissenschaftlichen Bereich zurück. Bei den Berufungen von Professorinnen erfüllen wir zwar nicht die Quote, liegen aber über den meisten österreichischen Universitäten. Knapp 24 % der Professorinnen sind Frauen, und insgesamt sind 38 % des wissenschaftlichen Personals weiblich.

 

Bewerben sich Ihrer Meinung nach mehr Frauen auf Professuren als früher?
Ja, in manchen Bereichen ist das durchaus feststellbar. Die Quotenregelung ist gesetzlich vorgeschrieben und besagt, dass Frauen bei gleicher Qualifikation und Unterrepräsentation vorrangig aufgenommen werden. Sollten Frauen bei Stellenausschreibungen die Qualifikationskriterien erfüllen, so werden sie auch ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert. Bedenklich erscheint die Entwicklung aber dann, wenn „Männerbewerbungen“ nicht stattfinden, weil man sich auf die konkrete Position vor dem Hintergrund der gesetzlichen Vorgaben keine „Chancen“ ausrechnet.

 

Könnten sich hier nicht die Männer benachteiligt fühlen?
Natürlich. Dabei ist interessant, auf welche Ebene sich die Frauenquote bezieht. Organisationseinheitsspezifisch betrachtet müsste der Passus in den Ausschreibungstexten eigentlich dahingehend abgeändert werden, dass bei gleicher Qualifikation Männer bevorzugt aufgenommen werden, wenn die „Frauenquote“ im konkreten Fall bereits (über-)erfüllt ist. Manche Universitäten handhaben das auch bereits so. Dazu kommt, dass in der Realität eine gleiche Qualifikation in Bewerbungsverfahren nicht anzutreffen ist.


 

Welche weiteren Neuerungen sind geplant?
Gender Budgeting, als Teil der Gender Mainstreaming-Strategie, wird ein wichtiges Thema sein. Im Wesentlichen geht es darum, eine genderbezogene Analyse von Ressourceneinsätzen durchzuführen. Ziel ist eine Gleichstellung von Frauen und Männern in der Verteilung der Ressourcen, wie etwa budgetärer Mittel bei Förderungen oder auch Stipendien. Wo wir verstärkt ansetzen möchten, ist in der Förderung von Auslandsaufenthalten von Studentinnen und Mitarbeiterinnen. Die Entwicklung eines Mentoring-Konzeptes wird eine weitere Neuerung sein, mit dem Ziel, dass wissenschaftlicher Nachwuchs durch Personen anderer Disziplinen beim beruflichen Werdegang unterstützt wird.

 

Als frauenfördernde Maßnahme gilt bei großen Unternehmen, dass nach 17 Uhr keine Sitzungen mehr stattfinden. Gibt es hier schon konkrete Überlegungen?
Ja, natürlich. Bei dieser Gelegenheit freut es mich besonders zu erwähnen, dass die Universität im Juni das Grundzertifikat aus dem Audit „Hochschule und Familie“ verliehen bekommen hat. Im Zuge dieses Audits haben wir einen Zielkatalog mit Maßnahmen erarbeitet, den wir in den nächsten drei Jahren umsetzen müssen. Ein Thema im Audit war auch die zeitliche Gestaltung von Sitzungen, die innerhalb der regulären Arbeitszeit einberufen und mit klar definiertem Beginn und Ende festgelegt werden sollten. Es sollte für Elternteile, sei es Frau oder Mann, möglich sein, Sitzungen rechtzeitig vor dem Schließen der öffentlichen Betreuungseinrichtungen verlassen zu können. Im Wesentlichen geht es auch um die Bewusstseinsbildung für das Thema Familie, und letztendlich muss die Universitätsleitung mit gutem Beispiel vorangehen mit dem Ziel, an der Universität familienfreundliche Forschungs-, Arbeits- und Studienbedingungen zu schaffen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte für Unisono Lydia Krömer.

 

Sabine Kanduth-Kristen


Sabine Kanduth-Kristen


  
Zur Person
Vizerektorin für Personal und Frauenförderung Sabine Kanduth-Kristen, geboren in Klagenfurt, studierte Angewandte Betriebswirtschaft an der Alpen-Adria-Universität und absolvierte das Postgraduate Studium International Tax Law an der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Seit 1995 arbeitet Kanduth-Kristen am Institut für Finanzmanagement an der Abteilung Betriebliches Finanz- und Steuerwesen und seit 2011 leitet sie die Abteilung. Sie ist Steuerberaterin und war drei Jahre lang im Bundesministerium für Finanzen als Fachreferentin für die Bereiche Steuern und Kapitalmarkt tätig. Seit 2010 ist sie weiters im Rahmen einer Teilzeit-Professur an der Karl-Franzens-Universität Graz beschäftigt.

 

 

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