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Einspieler-Preis 2005 an Heinz Dieter Pohl

Univ.-Prof. Heinz Dieter Pohl, seit Mai dieses Jahres auch korrespondierendes Mitglied der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste, wurde mit dem Einspieler-Preis 2005 ausgezeichnet.

Heinz Dieter Pohl erhielt den Preis „für seine wissenschaftliche Arbeit, die sehr viel dazu beigetragen hat, den Blick auf die Kärntner Vergangenheit zu entkrampfen und die Zweisprachigkeit in allen Bereichen als etwas Selbstverständliches anzunehmen“. Der Einspieler-Preis wird für Verdienste um die slowenische Volksgruppe verliehen und ist nach dem Priester und „Vater der Kärntner Slowenen“ Andrej Einspieler (1813-1888) benannt, der als Abgeordneter zum Kärntner Landtag für die Gleichberechtigung und das friedliche Zusammenleben der beiden Sprachgemeinschaften eintrat. Die feierliche Übergabe der Urkunde und eines künstlerisch gestalteten und Einspieler darstellenden Reliefs fand am 10. November im Tischlersaal des Slomšek-Heimes statt. Im Jahre 1989 hatte der verstorbene Rektor Günter Hödl diesen Preis erhalten, woran auch in den Ansprachen erinnert wurde.

UNISONO erhielt einen Auszug aus der Dankesrede des Preisträgers.

„Vollkommen überraschend erreichte mich an jenem Tage, als ich in Rosegg einen Vortrag über die sprachwissenschaftlichen Aspekte des Zusammenlebens der beiden Volksgruppen in Kärnten vorhatte zu halten, die Nachricht, den Einspieler-Preis für das Jahr 2005 zu erhalten. Zunächst war ich sprachlos, dann kam große Freude auf, dass mir eine Ehrung zuteil wird, die mit meinem wissenschaftlichen Lebenswerk auf dem Gebiet der Namen- und Sprachkontaktforschung aufs Engste verknüpft ist. Als ich vor ziemlich genau 33 Jahren meinen Dienst an der Universität Klagenfurt angetreten habe, war dies keinesfalls vorhersehbar. Ich wuchs sozusagen durch die Umstände in dieses Gebiet hinein, von meiner Ausbildung bin ich eigentlich vergleichender Sprachwissenschaftler und habe an der Universität Wien und durch einige Auslandsstudien eine – wie ich glaube – solide Ausbildung erfahren, die es mir ermöglicht, viele Dinge sprachlicher Natur in ganz anderen Zusammenhängen zu begreifen, als es der Durchschnittsbürger tut.

Wie auch immer die Verteilung der beiden Landessprachen sein mag, Kärnten bietet nach wie vor ein namenkundlich und dialektologisch interessantes Gebiet, wo sich die süddeutsch-bairische und die slowenische Sprache berühren und angenähert haben, und wer könnte wirklich mit letzter Bestimmtheit sagen, was am typisch Kärntnerischen rein „deutsch“ oder „slowenisch“ ist? Erst das Zusammenleben beider Sprachgemeinschaften hat den Kärntner hervorgebracht, wie wir ihn kennen. Substrahierte man eine von beiden, könnte man sich Kärnten, so wie es ist, gar nicht vorstellen – mit all seinen guten und schlechten Seiten.

Kultur wird durch Sprache transportiert. Bei der materiellen Kultur – Bauwerke, Kulturtechniken, bildende Kunst und Musik – steht die Sprache sicher nicht im Vordergrund, doch bei der immateriellen Kultur – Mundart, Namengut, Lieder, Volksdichtung und -bräuche – da ist die Sprache plötzlich in den Mittelpunkt gerückt. Hier zeigen sich zwei verschiedene Kulturen, auch wenn sie einander auf Grund der Nachbarschaft und des gemeinsamen Zusammenlebens sehr ähnlich sind. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem immateriellen Kulturgut trägt wesentlich dazu bei, dass es auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, leider nicht in dem Ausmaß wie die zeitgenössische Eventkultur, aber doch. In den letzten Jahren hat sich die UNESCO dazu entschlossen, dieses immaterielle Kulturerbe als schützenswertes Gut zu bewahren und zu pflegen.

Diese Aufgabe kann die Wissenschaft nur unterstützen und Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit als historisch gewachsenen Wert darlegen. Doch der eigentliche Träger dieses immateriellen Kulturerbes ist die jeweilige Sprachgemeinschaft selbst, in dieser Hinsicht hat sich die relativ kleine slowenische Sprachgemeinschaft bewährt und ihren Beitrag zur sprachlichen Vielfalt Europas geleistet. Jede Sprache, ob groß oder klein, ist ein Stück Menschheitsgeschichte und Ausdruck der Vielfalt menschlicher Kultur. Auch im Zeitalter der Globalisierung kann sprachliche Einförmigkeit nicht das Ziel sein.

Dass ich den Einspieler-Preis … erhalten habe, empfinde ich als große Ehre und bestärkt mich, weiter in diesem Sinne zu arbeiten.“

 


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