Als Möglichkeit und Chance des Austausches beschreibt Rachel Köberl, die eine der positivsten Rückmeldungen erhielt, die jetzige Vorgehensweise bei der Evaluation von Lehrveranstaltungen durch die Studierenden.
Im Rahmen des überarbeiteten Verfahrens wurde zu 979 von 1021 abgehaltenen Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2005 ein abschließendes Feedback über das ZEUS-System abgegeben. Dabei füllten die Studierenden 16.642 Online-Fragebögen aus. Drei der am besten bewerteten LehrveranstaltungsleiterInnen durch die Fachbereichsverantwortlichen und das Referat für Qualitätsmanagement und Evaluation wurden von Unisono sowohl nach ihrem didaktischen Konzept als auch nach ihren Erwartungen an die Studierenden befragt.
In Rachel Köberls Unterrichtskonzept des Sprachpraktikums „English for Business Administration IIa“ wird, da sie eine lebende Fremdsprache unterrichtet, „Kommunikation ganz groß geschrieben“. „Als logische Folge des kommunikativen Sprachunterrichts werden die Inhalte meiner Kurse neben der schriftlichen Verarbeitung auch intensiv in Partner- und Gruppenarbeit geübt“, verdeutlicht Köberl ihre didaktischen Überlegungen. „Dies spricht viele Studierende gut an, sowohl Studierende mit hohem Niveau wie auch viele, die bisher eher keine Freude mit Englischunterricht hatten. In meinen Kursen verwende ich außerdem Elemente der Suggestopädie (,Superlearning´) und der Workshop-Moderation. Meine eigene Begegnung mit diesen beiden Ansätzen fand im internen Weiterbildungsprogramm der Universität statt.“
Dass gute Bewertungen durch Studierende nicht mit niedrigen Anforderungen in der Lehrveranstaltung verbunden sein müssen, hebt die Anglistin hervor: „Mir wird in der Zwischenevaluierung zur Semestermitte in beinahe jedem Kurs berichtet, ich würde zu viele verschiedene Arbeiten im Verlaufe des Semesters verlangen. (Es wird dann meistens unter den Studierenden heftig diskutiert, ob dies überhaupt stimmt.) Es handelt sich um mehr als eine Prüfung zum Semesterschluss. Bei der Prozessorientierung (im Gegensatz zur Produktorientierung) wird an einem Dokument oder einer Präsentation in mehreren Schritten mit Feedback zwischendurch gearbeitet. Dies verlangt den StudentInnen einiges an Arbeit ab, aber auch mir. Wer nicht bereit ist, diese Zeitinvestition zu bringen, kriegt eben eine bedeutend schlechtere Note.“
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Gert Kadunz antwortet nach dem „Geheimnis seines Erfolges“ der Vorlesung „Elementare Geometrie“ befragt, wie folgt: „Ich denke, dass es kein Geheimnis gibt. Zumindest ist mir ein solches nicht bekannt. Allerdings kann ich in der LV ,Elementare Geometrie´ auf zwei Voraussetzungen zurückgreifen. Zum ersten ist die Anzahl der Studierenden überschaubar. D. h., dass etwa 20-25 Studierende an der LV teilnehmen, ein Umstand, der sich in vielen Lehrveranstaltungen des mathematischen Instituts wieder findet. Zum zweiten wird in der „Elementaren Geometrie“ ein Kapitel der Mathematik behandelt, welches die zukünftigen LehrerInnen des Faches Mathematik – wenn auch in transformierter Form – tatsächlich unterrichten werden. Wer also in der Schule unterrichten möchte, benötigt nicht nur aus Studienplangründen die Inhalte dieser LV. Zuletzt muss ich gestehen, dass mir das Betreiben von Geometrie ein gewisses Vergnügen bereitet. Dies scheint die Akzeptanz der LV nicht zu beinträchtigen.“
Neben den in Mitteleuropa üblichen Umgangsformen beschreibt Kadunz seine Erwartungen und Anforderungen an die Studierenden während des Semesters als „endlich“. „Es handelt sich bei der LV schließlich um eine Vorlesung oder genauer um eine Vorschreibung, da in vielen Kursen der Mathematik Tafel und Kreide eine wesentliche Bedeutung besitzen. So verbleibt während des Semesters als einzige Erwartung, die Formulierung von Anfragen der Studierenden zu den angebotenen Inhalten. Die eigentlichen Anforderungen formuliere ich erst in Gestalt einer Prüfungsangabe“, führt der Mathematiker dazu aus.
„Die gute Bewertung der LV-Textproduktion freut mich sehr: DANKE liebe Nachwuchs-JournalistInnen!“, bedankt sich Mag. Dr. Doris Moser für die positiven Rückmeldungen zum Proseminar „Textproduktion 2: Journalistisches Schreiben für Fortgeschrittene“. Den erhaltenen Zuspruch, der das Lehrveranstaltungskonzept bestätigt, erklärt sich die Germanistin wie folgt: „Ich denke, die Inhalte der LV treffen auf ein grundlegendes Bedürfnis der Studierenden: die Entwicklung und/oder Perfektionierung der schriftlichen Kommunikationsfähigkeit. Das lässt sich natürlich nach der Prämisse learning by doing am besten vermitteln. Folglich ist in dieser LV die Simulation tatsächlicher Produktionsbedingungen eines der Basiskonzepte, das heißt, wir simulieren eine redaktionelle Situation, agieren nach den Spielregeln des journalistischen Alltags und analysieren und bewerten im Anschluss gemeinsam die Ergebnisse und Vorgehensweisen. Dass mir dabei die eigene Erfahrung als ehemalige Radiojournalistin zu Gute kommt, gebe ich gerne zu. Ein zweiter Aspekt ist die kritische Beurteilung medialer Texte: Analog etwa zur Literaturkritik unternehmen wir Medientextkritik, indem journalistische Texte der Profis analysiert und auch bewertet werden. Da jeder und jede Medientexte (egal ob Print, TV, Radio oder Internet) konsumiert, ist der Bezug zur außeruniversitären Alltagswelt natürlich besonders stark.“
Auch Doris Moser formuliert und stellt klare Anforderungen an die TeilnehmerInnen ihrer Lehrveranstaltungen: „Ich erwarte mir, dass Studierende, die an der LV teilnehmen, sich für die Inhalte interessieren, die sie selber auch einbringen (sollen) und dass sie wesentliche Eigenschaften mitbringen, die Journalist/innen und Wissenschafter/innen vereint: eine existentielle, aus dem Innersten kommende Neugier, Selbstdenkertum und die Bereitschaft, nicht locker zu lassen. Das hört sich vielleicht ganz nett an, aber in einer LV geht es natürlich nicht (nur) um Persönlichkeitsentwicklung, sondern auch um Lehrstoff. Zur Simulation realer Arbeitsbedingungen gehören wirklichkeitsnahe Anforderungen, was nicht allen leicht fällt. Aber eine Zeitung erscheint auch nicht mit leeren Seiten, für Laisser-faire bin ich also nicht zu haben – was nicht nur für die Studierenden gilt, sondern auch für mich selbst, schließlich sind jede Woche Texte zu korrigieren und kommentieren (neben der üblichen Vorbereitungsarbeit). Und: der Lerneffekt rechtfertigt schlussendlich den Aufwand!“
Von Martina Rauter