Das 'Zentrum für Gebärdensprache und Hörbehindertenkommunikation' (ZGH) ist eine Besondere Universitätseinrichtung der Universität Klagenfurt. Unsere Forschung bearbeitet die interessanten Phänomene einer im visuellen Kanal produzierten Sprache im Vergleich zu gesprochenen Sprachen. Die praxisbezogene Arbeit des Zentrums soll auf lange Sicht eine wesentliche Verbesserung der derzeit äußerst unbefriedigenden Lage aller hörbehinderten Menschen, insbesondere der gehörlosen und der höhergradig schwerhörigen bewirken.
Ca. 1990 begann in Österreich eine intensive wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Gebärdensprache.
Seit 1992 wurden an der Universität Klagenfurt Arbeiten im Bereich Gebärdensprache und Gehörlosenkultur/-bildung durchgeführt.
Als erstes größeres Projekt lief von 1993-1995 ein von Nationalbank und Arbeitsmarktverwaltung bzw. Bundessozialamt finanziertes Vorhaben ("Linguistische Analyse der Österreichischen Gebärdensprache").
Bis kurz vor Ende 1996 bestand lediglich eine Projektarbeitsgruppe aus hörenden und gehörlosen Mitarbeiter/innen unter der Leitung von Franz Dotter.
Mit 18. 12. 1996 beschloss der Senat der Universität Klagenfurt die Errichtung eines "Forschungszentrums für Gebärdensprache und Hörbehindertenkommunikation der Fakultät für Kulturwissenschaften am Institut für Sprachwissenschaft und Computerlinguistik". Es gab ab da einen eigenen Budgetansatz für das Zentrum (inklusive Dienstpostenplan), welcher im Rahmen des Instituts für Sprachwissenschaft und Computerlinguistik mitverwaltet wurde. Die Mitarbeiter/innen wechselten zum Teil, ihre Zahl stieg im Laufe der folgenden Jahre aber kontinuierlich, und das Zentrum vergrößerte sich auch räumlich.
In den Jahren 2001-2002 wurde das Zentrum hauptsächlich über einen Leistungsvertrag der Universität Klagenfurt mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanziert.
Seit 1. 1. 2004 ist das ZGH unter seinem jetzigen Namen als "Besondere Universitätseinrichtung der Universität Klagenfurt" eine eigenständige Organisationseinheit. Die Finanzierung erfolgt aus mehreren Quellen: Bundesmittel der Universität, Mittel des Landes und des Bundessozialamtes Kärnten, sowie Gelder aus nationalen und europäischen Projekten.
Lage
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Zentrum für Gebärdensprache und Hörbehindertenkommunikation
Universitätsstraße 65-67
9020 Klagenfurt
Österreich/Austria
Räume I.0.53a, I.0.52, I.0.51, I.0.49, I.0.47, I.0.46a
(im Institutsgebäude Nord, Ebene 0)
In Österreich sind ca. 9.000 Personen (rund ein Promille) der Bevölkerung gehörlos und mindestens zwei Promille schwer hörbehindert. Im medizinischen Sinn spricht man von Gehörlosigkeit, wenn eine Hörschädigung so gravierend ist, dass gesprochene Sprache nicht mehr verstanden werden kann, nicht einmal mit Hilfe eines Hörgerätes oder anderer technischer Hilfsmittel. Für Hörende sind Gehörlose eindeutig behindert. Ihrer Meinung nach handelt es sich bei der Gehörlosigkeit um einen 'Defekt', der irgendwie 'repariert' werden muss. Gehörlose sehen sich selbst nicht als Behinderte. Sprechen Gehörlose von ihrer Gehörlosigkeit, so beziehen sie sich damit auf ihre Sprache, ihre Vergangenheit und ihre Gemeinschaft (Gehörlosengemeinschaft).
Da Gehörlose Informationen nicht über ihre Ohren wahrnehmen konnten, entwickelten sie visuelle Kommunikationssysteme. Es handelt sich bei Gebärdensprachen nicht um Hilfssysteme, sondern um natürliche Sprachen mit einer eigenen Grammatik. Es gibt nicht nur eine einzige Gebärdensprache, die von allen Gehörlosen verwendet wird, sondern nationale Ausprägungen und sogar Dialekte. Ihr Status ist der von Minderheitensprachen. Gebärdensprachen sind nur in wenigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union rechtlich anerkannt, obwohl es innerhalb der EU ca. 400.000 Gebärdensprachbenützer/innen gibt. Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) ist seit 6. Juli 2005 anerkannt.
Kurzinformation über Gehörlosigkeit (Folder)